Die Welt staunt über unseren Wal

von Redaktion

Was internationale Medien zum Timmy-Hype sagen – So geht es weiter

Mit diesem Lastkahn soll Timmy transportiert werden. © Marks/dpa

Eine Drohnenaufnahme zeigt Timmy in der Wismarbucht. © Müller/dpa

Ganz dicht dran: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (li.) informiert sich am gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel über den Zustand des Tieres. © Büttner/dpa

Madrid/Lissabon – In Deutschland beschäftigt das Wal-Drama viele Menschen – und polarisiert. Die einen leiden mit Timmy, dem es immer schlechter geht, die anderen können es nicht mehr hören. In einer Umfrage für die „Bild am Sonntag“ gaben 53 Prozent der Befragten an, sie sorgten sich um das Tier. 36 Prozent sagten, das sei nicht der Fall, 11 Prozent machten keine Angaben. Allerdings sprechen sich laut Umfrage lediglich 45 Prozent dafür aus, weitere Rettungsversuche zu unternehmen. 37 Prozent wollen keine Maßnahmen ergreifen und Timmy auf natürliche Weise sterben lassen. 5 Prozent der Befragten würden ihn sogar töten lassen.

Auch im Ausland gibt es vielfach nur nüchterne Meldungen zum deutschen Wal-Drama. Auf Interesse stößt vor allem das große Aufsehen um das Tier hierzulande. Die „New York Times“ schrieb von „Deutschlands Lieblingswal“, um den ein Touristen- und Medienspektakel entstanden sei.

Die britische Zeitung „The Guardian“ beschreibt die Situation in ungewöhnlich deutlichen Worten: Der Fall habe sich zu einem „nationalen Spektakel“ entwickelt. Damit wird die Rettungsdebatte nicht nur als fachliche Herausforderung verstanden, sondern als öffentlich inszeniertes Ereignis, das weit über den eigentlichen Tierschutz hinausgeht.

Auch die US-Nachrichtenagentur Associated Press hebt die mediale Dimension hervor. Die letzten Tage des Wals seien „weltweit per Livestream übertragen“ worden, während das Tier zugleich „landesweite Aufmerksamkeit“ auf sich zog. Die Kombination aus Dauerberichterstattung, Social Media und öffentlicher Anteilnahme habe eine außergewöhnliche Dynamik erzeugt.

Ähnlich ist das Bild unter anderem in spanischen und portugiesischen Medien. Der Fall sei zu einem „Medienphänomen“ geworden, bei dem lokale Nachrichtensender live über „selbst kleinste Veränderungen“ des Zustands berichteten, schrieb die spanische Zeitung „El País“. Der staatliche portugiesische TV-Sender RTP verwies auf den Einfluss des „hitzigen“ Wahlkampfs in Mecklenburg-Vorpommern.

Gleichzeitig betonen internationale Berichte die wachsende Spannung zwischen Mitgefühl und wissenschaftlicher Einschätzung. Experten warnen seit Wochen vor den geringen Erfolgsaussichten weiterer Rettungsversuche. Ein Meeresbiologe erklärte gegenüber der Associated Press: „Ich glaube, der Wal wird sehr bald sterben… Was ist eigentlich so schlimm daran?“ Ähnlich sieht man es in Dänemark, wo immer wieder Wale stranden. Gemäß den Vorgaben des dänischen Umweltministeriums für den Umgang mit großen Meeressäugern gilt in dem deutschen Nachbarland generell die Praxis, gestrandete Tiere weder zu töten noch Rettungsversuche zu unternehmen – vielmehr solle die Natur ihren Lauf nehmen.

Im Drama um Timmy wartet die private Rettungsinitiative auf die Ankunft des Lastkahns zum Transport des Tiers in die Nordsee. Der Schlepper „Robin Hood“ sollte Montagabend Wismar erreichen. Eine von Unternehmern finanzierte Privatinitiative bemüht sich in einer in Deutschland bislang einmaligen Aktion um die Rettung des Wals. Die Initiative will den in einem flachen Buchtbereich gestrandeten Wal mit einem teils absenkbaren Kahn bergen, in dem er wie in einem Becken schwimmend bis in die Nordsee oder den Atlantik gebracht wird.

Von einem Schiff gezogen, soll die Barge samt Wal Fehmarn passieren und bis nach Skagen zum Eingang der Nordsee gebracht werden. Dafür seien dreieinhalb Tage geplant. „Dann werden wir schlussendlich den Zustand des Tieres noch einmal bewerten, schauen, wie die Reise überstanden wurde“, sagt Felix Bohnsack, der technische Leiter der privaten Initiative.

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