INTERVIEW

„Rettung eines Lebens hat Priorität“

von Redaktion

Deshalb finanzierte Mediamarkt-Gründer Gunz Wal Timmys Weg in die Freiheit

Schwertransport: Der Wal liegt seit Tagen in einem gefluteten Lastschiff. © Dulian/dpa

Bad Wiessee – Nach vielen Bemühungen einer privaten Rettungsinitiative ist der wochenlang an der Ostseeküste gestrandete Buckelwal in einem Transport-Kahn Richtung Nordsee unterwegs. Dort soll er in die Freiheit schwimmen. Das Schicksal des Wals Timmy bewegte viele – auch Walter Gunz. Der 1946 in München geborene Mediamarkt-Mitbegründer, der in Kreuth am Tegernsee lebt, gilt als maßgeblicher Finanzier der bislang geglückten Rettung. Unsere Zeitung sprach mit dem Unternehmer Gunz, nachdem die Rettungsaktion am Freitag zwischenzeitlich auch in schwere See geriet.

Allen Widerständen zum Trotz gelingen nun demnächst offenbar Transport und Freilassung des vor vier Wochen in der Ostsee gestrandeten Buckelwals. Erfüllt Sie dies mit Genugtuung, sind Sie erleichtert?

Es erfüllt mich mit Freude, dass es bisher gelungen ist, das mehrfach totgesagte Tier zu befreien. Anfangs hatten ja Spezialisten verkündet, dass der Wal keine Überlebenschance und sich zum Sterben da hingelegt hätte. Man hat ja schon den Kadaver verkauft, kaum dass der Wal gestrandet war. Die Untersuchungen an dem Tier aber haben ergeben, dass es vital ist. Die fachlichen Aussagen, dass es dem Tode geweiht ist, waren damit unwahr. Es war mir unverständlich, dass man ein Tier liegen lässt, ohne etwas zu unternehmen. Eine Rettung des Lebens hat für mich immer Priorität. Allerdings haben wir alle, die an seiner Rettung beteiligt waren, das Volumen dieser Aufgabe unterschätzt. Aber im Wissen um diese Strapazen für uns alle würde ich es wieder machen.

Sie beklagten die unsäglichen bürokratischen Hürden der Skeptiker. Wie wurden diese überwunden?

Die Hürden waren enorm und haben viel Zeit und Energie gekostet. Am Anfang war Till Backhaus, der Umweltminister Schwerins, sehr skeptisch, denn er befürchtete, der Wal könnte beim Ausbuddeln sterben. Aber ich sagte zu ihm: Wenn man den Wal so liegen lässt, dann stirbt er auf jeden Fall. Zur Ehrenrettung von Backhaus muss ich nun sagen, dass er sich dann als erkennender Helfer gezeigt hat. Denn inzwischen hat das Tier so viele Herzen der Menschen erreicht, dass man glaubt, das Richtige gemacht zu haben.

Unter wessen Federführung kam die privat initiierte Rettung zustande?

Die operative Federführung kam von Karin Walter-Mommert, einer Unternehmerin. Sie trommelte schnell die Crew zusammen, denn man hatte nicht viel Zeit und auch kaum noch Erfahrung für eine solch aufwendige Walrettung. Dass dabei organisatorische, menschliche und emotionale Probleme entstehen, ist ganz natürlich. Frau Walter-Mommert ist bei der Finanzierung auch in Vorleistung gegangen.

Wie hoch ist die Summe, die zur Rettung erforderlich war? Kennen Sie schon die Dimensionen?

Tut mir leid, aber das Thema Geld möchte ich hier ausklammern. Nur so viel: Geld kann kein Menschen- und kein Tierleben retten. Nur Menschen können Leben retten. Mein Beitrag war nur der des ersten Anstoßes, nachdem ich gefragt wurde, was man da machen könne.

Sie leben in Kreuth am Tegernsee. Warum rettet ein Bayer einen Wal im Norden Deutschlands?

Für mich ist das, was ich da jetzt getan habe, weder etwas Heroisches noch ein Heldentum. Für mich ist es das Normalste auf der Welt, dass der Mensch aus seinem Innersten heraus handelt, wenn ein Mensch oder ein Tier in Not ist, keine Zeit verstreichen lässt, nicht zögert, nicht überlegt, wer da zuständig sein könnte, was es für Folgen haben könnte. Für mich ist es ein ganz normaler menschlicher Impuls, zu helfen.

Engagieren Sie sich auch sonst im Tierschutz?

Ich unterstütze seit vielen Jahren Organisationen, die im Tierschutz und der Tierhilfe tätig sind. Denn der Mensch ist aufgerufen, die Schöpfung zu bewahren. Man sieht ja, dass der Wal Opfer der Gedankenlosigkeit der Menschen wurde, die die Meere zumüllen. Umso mehr hat der Mensch hier die Verpflichtung, zu helfen.

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