Das Rätsel um Timmys Tracker-Daten

von Redaktion

Sender liefert seltene Signale – Geldgeber entzürnt über Art und Weise der Aussetzung

Wal Timmy kurz nach der Freilassung. © Peters/dpa

Wismar – Rätselraten um Timmy: Der mehrfach an Ostsee-Küsten gestrandete Buckelwal wurde am Wochenende ins Meer entlassen. Wo er sich aufhält, ist unklar: Der GPS-Sender liefere anders als geplant keine Ortsdaten, sagte Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative hinter dem Transport. Damit bleibe unbekannt, ob und in welche Richtung das Tier schwimmt. Es gebe zumindest vom Sender übertragene Vitalzeichen, demnach lebe der Wal, meinte Walter-Mommert. Die Informationen ließen sich zunächst nicht durch unabhängige Quellen verifizieren.

Sollte das geschwächte Tier ertrinken, würde ein GPS-Sender ohnehin keine Ortsdaten mehr liefern: Solche Sender funken ihren Standort üblicherweise nur dann, wenn sich das jeweilige Tier an der Wasseroberfläche aufhält. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt.

Im Todesfall würde der Kadaver trotz der beim Verwesen entstehenden Gase wahrscheinlich nicht an die Wasseroberfläche hochtreiben, weil der Wasserdruck das in tieferen Gewässern verhindert. Sollte das Tier zuvor wieder in Küstennähe geschwommen sein, könnte es dort angespült werden.

Beide großen Schiffe des Transportkonvois – „Fortuna B“ und „Robin Hood“ – befanden sich am Sonntag nicht mehr im Skagerrak, wo der Wal tags zuvor etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt abgesetzt worden war. Angaben zum Zustand des Tiers zu diesem Zeitpunkt und zum genauen Ablauf der Freisetzung wurden nicht bekannt, auch öffentlich zugängliche Bilder oder Videos gab es nicht.

Warum? Das fragen sich seither viele Menschen, die das Drama um den Wal seit Wochen mitverfolgen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus erklärte in einem Statement beim Livestream-Anbieter News5, mit der Initiative sei vereinbart gewesen, dass ein Videosystem auf der Barge installiert wird, damit beauftragte Tierärzte den Wal weiter beobachten können – das sei aber nicht erfolgt.

Mitglieder des Teams der privaten Initiative verwiesen für Angaben zur Freisetzung auf ihre Geldgeber, Walter-Mommert und Mediamarkt-Gründer Walter Gunz, die sich merklich wütend zeigten: In einem Statement distanzierten sich beide „ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wales führten“. Auf Drohnenbildern des Livestream-Anbieters News5 war am Samstagmorgen kurz ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen. Der Buckelwal sei in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt worden, sagte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace.

Ohne Ortsdaten des GPS-Senders droht das Schicksal des Wals, das die Welt bewegte, nun aber ungeklärt zu bleiben, womöglich für immer.

Artikel 8 von 10