Die Goldenstein-Nonnen mit einem Priester auf dem Petersplatz in Rom. © Hudelist, Tarantino/dpa
Rom – Auf Fotos und Filmen sieht man die drei Augustinernonnen im Rollstuhl, mit Rollator und auch zu Fuß. Vier Tage haben die rebellischen Ordensfrauen aus Österreich in Rom verbracht und sich damit offenbar einen lang ersehnten Traum erfüllt. Die Bilder zeugen von intensiven Tagen: Rom im Minibus, Pause in einer Trattoria, Rast in einem Park beim Kolosseum, Besuche auf dem Petersplatz und im Petersdom. Es seien „ebenso ereignisreiche wie glückliche Tage in Rom“ gewesen.
„Ich bin so dankbar“, sagt Schwester Regina (86), dass sie ein zweites Mal in ihrem Leben den Petersdom besuchen konnte. Bernadette (88) war sogar zum ersten Mal dort. Sie sei jetzt „ein bisschen traurig“, meint Schwester Rita (82) vor der Rückfahrt zurück nach Österreich am vergangenen Freitag. „Es ist einfach eine Herzensfreude gewesen, mit euch allen hier zu sein“, fügt sie hinzu. Der Höhepunkt der Reise: die Generalaudienz mit Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz am Mittwoch mit tausenden anderen Gläubigen.
Ein „Lebenstraum“ habe sich für die Frauen erfüllt, heißt es in einer Erklärung der Helferinnen der Augustiner-Chorfrauen. Die sind auch dank ihres Instagram-Accounts @realnonnengoldenstein längst weit über Österreich hinaus bekannt. Im September hatten sich die Seniorinnen mithilfe eines Schlüsseldienstes Zugang zum Kloster Goldenstein bei Salzburg verschafft, dem Ort, an dem sie jahrzehntelang als Lehrerinnen der dortigen Mittelschule wirkten und lebten. Die Vorgesetzten der Augustiner-Chorfrauen hatten die betagten Damen, die die letzten Bewohnerinnen des Klosters waren, zuvor gegen ihren willen in ein Pflegeheim versetzt. Als Reaktion auf den Ausbruch aus dem Pflegeheim kürzten die Vorgesetzten den Nonnen das Taschengeld auf 50 Euro im Monat.
Seither haben sich die einst pflichtbewussten Ordensschwestern nicht nur zu Österreichs prominentesten Hausbesetzerinnen verwandelt, sondern auch die katholische Hierarchie infrage gestellt. Die Romreise war der bisherige Höhepunkt dieses ungleichen Duells. Die direkten Salzburger Vorgesetzten, Propst Markus Grasl, vom Vatikan eingesetzter Apostolischer Administrator für den Fall Goldenstein, und Erzabt Jakob Auer beklagten die Übertretung der Klausurregel durch die Schwestern und befürchteten gar deren „Entführung“ nach Rom. Die Vatikan-Fahrt sei nicht genehmigt gewesen.
Die Nonnen hingegen führen an, den Großteil ihres Lebens nicht in Abgeschiedenheit, sondern als Lehrerinnen in Kontakt mit Kindern und Eltern gelebt zu haben. Klausurregeln fänden für sie keine Anwendung. „Sie wollen mitten rein ins Leben“, schrieb der Vatikanjournalist Andreas Englisch in einem Artikel für die „Zeit“, in der er die Hintergründe der Fahrt erläutert. Englisch war es, der die Rom-Reise organisierte. Hörer seines Podcasts Vatikangeflüster sollen bereits im März 7500 Euro gesammelt haben. Englisch buchte Flugtickets und mietete eine Wohnung. Zweimal sagten die Nonnen die Reise ab, aus Angst vor Konsequenzen.
Nun fand die „Flucht nach Rom“ doch statt. „Wir sind halt rebellisch“, zitiert Journalist Englisch Schwester Rita.JMM