Gefangen auf dem Kreuzfahrtschiff

von Redaktion

Hantavirus: Passagiere können nicht von Bord – Übertragung wohl von Mensch zu Mensch

Hantaviren unter dem Elektronenmikroskop. © dpa

Das Kreuzfahrtschiff im Hafen von Praia. © Almeida/dpa

Kap Verde – Es ist der absolute Urlaubs-Albtraum: Nach einem möglichen Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff können dessen Passagiere nicht wie geplant auf Kap Verde von Bord gehen. Für drei Personen – zwei Erkrankte und eine Person, die in Kontakt mit einem verstorbenen deutschen Passagier stand – ist jedoch eine medizinische Evakuierung geplant. Von Kap Verde aus würden die Patienten dann in die Niederlande geflogen, teilte der niederländische Kreuzfahrtveranstalter Oceanwide Expeditions gestern Abend mit.

Wenn die drei Betroffenen das Schiff verlassen haben, werde die „Honduis“ dann Kurs auf die Kanaren – entweder Teneriffa oder Gran Canaria – nehmen. Aktuell liegt das Schiff dort vor dem Hafen von Praia.

Auf den Kanaren könnten bei einer Landung weitere medizinische Untersuchungen stattfinden, erklärte die Reederei. Diese könnten unter Aufsicht durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und niederländische Gesundheitsbehörden stattfinden. „Dies muss noch bestätigt werden“, schränkte die Reederei am späten Montagabend ein. Die Stimmung an Bord der „Hondius“ sei „ruhig“ und die knapp 150 Personen seien „insgesamt gefasst“, hieß es. Und das, obwohl sie ihre Kabinen angeblich nicht verlassen dürfen.

Das Kreuzfahrtschiff mit 61 Besatzungsmitgliedern hatte sich vor einigen Wochen auf den Weg von Argentinien nach Kap Verde gemacht. Unterwegs kam es dann zu mehreren Todesfällen. Bislang sind drei Passagiere der „Hondius“ gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und ein Deutscher. Bei der verstorbenen Niederländerin wurde das Hantavirus nachgewiesen, wie die Reederei unter Berufung auf die WHO erklärte. Ein weiterer Passagier ist laborbestätigt am Hantavirus erkrankt und wird auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt. Zudem gibt es die zwei Erkrankten an Bord, die ausgeflogen werden sollen. Das Hantavirus kann bei Menschen zu Fieber und schweren Atemwegserkrankungen führen. Auch die Nieren nehmen häufig Schaden. Zu Infektionen kann es beim Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagetieren kommen. Selten wird der Erreger laut WHO auch von Mensch zu Mensch übertragen. Davon geht sie in diesem Fall aber aus. Der erste auf dem Schiff erkrankte Passagier habe sich vermutlich infiziert, bevor er an Bord gegangen sei.

Infizierte Nagetiere scheiden das Virus mit ihrem Kot, Urin oder Speichel aus, wie das Robert Koch-Institut erklärt. Menschen stecken sich üblicherweise durch aufgewirbelten Staub – etwa beim Aufräumen eines staubigen Schuppens oder Dachbodens – oder durch Bisse an. Ein Ausbruch auf einem Schiff ist ungewöhnlich.

Die WHO sieht jedenfalls kein größeres Risiko für die breite Öffentlichkeit.

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