Sondermaschine am Flughafen Teneriffa. © Sempere/AFP
Ende einer Kreuzfahrt: Passagiere der MV Hondius stehen im Industriehafen in einem offenen Boot. © AFP
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurden die Passagiere mit Bussen zu den Flugzeugen in Richtung Heimat gebracht. © Jorge Guerrero/AFP
Granadilla – Die Evakuierung der Menschen an Bord des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs ist in Teneriffa unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und ohne Probleme angelaufen. Erste Passagiere und Crewangehörige wurden gestern wenige Stunden nach der Einfahrt der „Hondius“ in den Hafen Granadilla im Süden der Urlaubsinsel in kleineren Gruppen in Booten an Land gebracht, anschließend in Bussen zum Flughafen Tenerife Sur gefahren und ausgeflogen.
Zunächst wurden die 14 spanischen Staatsbürger an Bord ausgeschifft, darunter 13 Passagiere und ein Crewmitglied. Sie trugen Schutzkleidung und Masken und wurden mit zwei Bussen der Militärischen Nothilfeeinheit UME zum Flughafen gebracht. Von dort startete ihre Maschine nach Madrid. In der spanischen Hauptstadt sollen sie in einem Militärkrankenhaus gemeinsam mit einem Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO unter Quarantäne gestellt werden.
Gesundheitsministerin Monica Garcia, der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska und auch der Chef der WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handle. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: „Das ist nicht ein neues Covid.“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.
Ähnlich äußerte sich der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). „Die Lage ist für die deutsche Bevölkerung nicht gefährlich“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Eine Pandemie droht nicht, weil die Übertragbarkeit des Virus dafür nicht ausreicht.“
Vor Beginn der Ausschiffung waren Ärzte an Bord gegangen, um eine epidemiologische Untersuchung durchzuführen. Die gute Nachricht des Tages: Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien ohne Krankheitssymptome, teilte Gesundheitsministerin Garcia am Hafen mit. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern.
Den Transport der betroffenen Deutschen übernehmen die Niederlande. Vier Passagiere sollen nach ihrer Ankunft am Flughafen in Eindhoven nach Frankfurt gebracht werden. Insgesamt würden die Niederlande in ihrer Maschine neben eigenen Staatsangehörigen auch „Bürger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung mitnehmen“, sagte Gesundheitsministerin García.
Laut WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte.