Chat mit Jesus – Wie hält’s die Kirche mit KI?

von Redaktion

Papst Leo XIV. ist kein großer Fan von KI. © Borgia/dpa

Rom/Erlangen/Würzburg – Die Bibel ist in dieser Hinsicht eindeutig: Jesus ist nach seiner Auferstehung in den Himmel zurückgekehrt. Erinnert wird daran am Feiertag Christi Himmelfahrt am kommenden Donnerstag. Doch nun, etwa 2000 Jahre später, kommt die KI ins Spiel. Und lässt Jesus wieder sprechen: kostenpflichtige Videotelefonate mit einem Jesus-Avatar, Chat-Antworten vom Sohn Gottes? Halleluja – oder „erlöse uns von dem Bösen“?

Der evangelische Theologe Florian Höhne, Leiter des Lehrstuhls für Medienkommunikation, Medienethik und Digitale Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, sagt: „Wie auch in anderen Bereichen kommt einem die KI hier zunächst spielerisch vor.“

Zugleich habe das Spiel auch immer eine ernste Dimension. „In diesem spielerischen Erkunden entstehen neue Religionsformen, Kommunikationsformen, die sich vielleicht in Zukunft auch durchsetzen. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen.“

Jesu Worte seien im Neuen Testament kanonisiert. „Wenn ich nun, und sei es auch nur aus Spielerei, Jesus als Avatar anbiete, tritt eine Künstliche Intelligenz mit all ihrer Fehlerhaftigkeit in einer starken Autoritätsposition auf. Möglicherweise nehmen Menschen, die mit diesem Avatar kommunizieren, das dann für bare Münze, für wahre Jesus-Worte.“ Dies sei heikel. Denn es werde der Technik eine große religiöse Autorität eingeräumt, „die eben nicht göttliche Autorität ist“, sagt Höhne.

Um Menschen genau dafür zu sensibilisieren, helfe eine „grundlegende Medienaufklärung darüber, welche Technik dahintersteckt“, betont der Wissenschaftler. Menschen müssten sehen: „Diese KI ist eine von Menschen gebaute und von Menschen trainierte Maschine und sie gibt nach der eigenen technischen Logik und nach ihrer Funktionsweise Antworten. Das ist nicht die Stimme Gottes, es ist nicht die Stimme Jesu und auch nicht die Stimme einer biblischen Figur oder einer historischen Figur. Es ist eine menschlich gebaute Maschine.“

Auch im Vatikan dürfte ein solcher KI-generierter Jesus-Avatar wohl mit Skepsis betrachtet werden. Papst Leo XIV. warnte Priester zuletzt nachdrücklich davor, Predigten für den Gottesdienst mit KI zu schreiben.

Das Thema KI liegt Leo – seit einem Jahr im Papstamt – am Herzen. Im Vatikan gibt es sogar einen eigens für dieses Thema zuständigen Berater, den Franziskanermönch Paolo Benanti, der aber schon von Leos verstorbenem Vorgänger Franziskus einberufen wurde. Immer wieder widmet sich Leo in Ansprachen und öffentlichen Auftritten der KI – und ihren möglichen Risiken. Während seiner jüngsten Afrika-Reise rief er Studierende dazu auf, KI kritisch zu begleiten.

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