In ganz Europa gibt es weniger Geburten. © Grubitzsch/dpa
Rom – Italien gehen die Kinder aus: Gerade erst hat das italienische Amt für Statistik einen neuen Tiefstand der Geburtenrate in Italien verkündet. Im Jahr 2025 lag sie bei nur noch 1,14 Geburten pro Frau und damit so niedrig wie noch nie. Gerade einmal 355.000 Kinder kamen im vergangenen Jahr in Italien noch auf die Welt, es gab fast 300.000 mehr Todesfälle als Geburten.
Früher galt Italien als Bambini-Paradies. In den 60ern kamen jährlich noch über eine Million Kinder pro Jahr zur Welt. Die Figur der kinderlieben „Mamma“ war omnipräsent. Doch die Familie in ihrer damaligen Form ist längst ein Auslaufmodell in Italien.
Die Entwicklung hat drastische Folgen: Die römischen Statistiker von Istat prognostizieren, dass die Zahl der heute noch 59 Millionen Italienerinnen und Italiener bis 2080 um 13,1 Millionen auf 45,8 abnehmen wird. Der negative Trend hat Folgen für die Sozialsysteme und die Wirtschaft. Die Beitragsempfänger werden immer mehr, die Beitragszahler weniger. Gesundheitskosten steigen stark an. Eine schrumpfende Bevölkerung bremst auch das Wachstumspotenzial. Seit Langem ist Italien neben Spanien, Malta und Litauen eines der Länder mit der niedrigsten Geburtenrate in der EU.
Doch nicht nur dem Belpaese gehen die Bambini aus. In Italien ist zu beobachten, was der gesamten EU droht. Auch Deutschland meldet immer neue Negativrekorde. 2025 wurden mit rund 654.300 Kindern so wenige Babys wie noch nie seit 1946 geboren. Das waren 3,4 Prozent weniger als im Jahr 2024. Die Sterbefälle übertrafen hier die Geburten um 352.000. Der Trend zieht sich durch ganz Europa.
Es lohnt auch der Blick in eines der Länder mit der höchsten Geburtenrate, Frankreich. Lange Zeit war das Land europäischer „Geburtenchampion“, hat diese Position laut Eurostat nun aber an Bulgarien verloren. Hier werden pro Jahr noch 1,63 Kinder geboren. In Frankreich lag die Geburtenrate 2025 nur noch bei 1,56 Kindern pro Frau, es ist der niedrigste Wert seit 1919. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert in der EU lag 2024 bei 1,34. Deutschland rangiert mit 1,35 etwa in der Mitte.
Die Geburtenrate sinkt in ganz Europa, der Kontinent altert kontinuierlich. Frauen verschieben den Kinderwunsch zunehmend nach hinten und konzentrieren sich auf die Karriere. In Frankreich lag 2024 das Durchschnittsalter für das erste Kind bei 31,1 Jahren, 20 Jahre vorher waren es laut Zahlen des Demografie-Institutes Ined noch 29,5 Jahre. Italien verzeichnet sogar eines der weltweit höchsten Durchschnittsalter der Frauen bei Geburt des ersten Kindes. Es liegt bei durchschnittlich 32,7 Jahren (Deutschland: 30,3). Neun Prozent der Mütter sind in Italien bei Geburt des ersten Kindes sogar über 40 Jahre alt.
Wenn sogar Frankreich ein Problem hat, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie sehr kann Familienpolitik den Kinderwunsch und die Familiengründung noch beeinflussen? Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der selbst keine leiblichen Kinder hat, rief angesichts des Geburtenrückgangs gar zum „réarmement démographique“, zur demografischen Wiederbewaffnung auf. Es war eine martialische Formulierung, die vor allem eines ausdrückte: Hilflosigkeit angesichts einer kaum zu stoppenden Entwicklung.
Vor allem wirtschaftliche Gründe spielen bei der Entscheidung gegen Kinder eine Rolle. Dies wird durch die Tatsache belegt, dass die Zahl kinderloser Frauen in den ärmsten Gebieten Italiens höher ist. In Sardinien, Kalabrien, Basilikata und Molise beträgt sie bei Frauen im Alter von über 40 Jahren bis zu 40 Prozent, im wohlhabenden Nordostitalien nur 25 Prozent.JMM