Zwei Millionen für ein totes Tier?

von Redaktion

Verendeter Wal vor Dänemark ist laut Experten höchstwahrscheinlich Timmy

Mitfinanzierer Walter Gunz (Media Markt). © Faulhaber dpa

Umweltminister Till Backhaus (SPD). © Büttner/dpa

Vor der Insel Anholt in der Ostsee ist ein toter Wal gesichtet worden. Laut dänischen Behörden ist es höchstwahrscheinlich Timmy. © Walzberg, Dulian/dpa

Anholt – Wochenlang haben wir mitgelitten im Krimi um den gestrandeten Buckelwal Timmy. Jetzt sieht es so aus, als hätte seine Reise in die Freiheit ein trauriges Ende genommen. Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden. Das Tier liege etwa 75 Meter vor der Küste und sei vermutlich bereits seit einiger Zeit tot, so die Umweltbehörde Miljøstyrelsen. Ihm wurde eine Gewebeprobe entnommen, um ihn zu identifizieren.

Gegenüber dem dänischen Sender DRTV sagte Morten Abildstrøm von der dänischen Naturschutzbehörde: „Sowohl die deutschen als auch die dänischen Forscher, mit denen ich gesprochen habe, glauben, dass es sich höchstwahrscheinlich um den Buckelwal Timmy handelt.“

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte, sein Haus stehe seit der Nacht in engem Kontakt mit dem Bundesumweltministerium und darüber hinaus mit der dänischen Umweltbehörde. „Ziel ist es, zu erfahren, ob es sich bei dem toten Wal um das Tier handelt, das zuvor mehrfach in der Wismarbucht gestrandet war.“ Er warnte vor Spekulationen.

Der vor der deutschen Küste gestrandete Wal hatte wochenlang Schlagzeilen gemacht. Das bislang letzte Kapitel der Saga war ein tagelanger Transport einer privaten Rettungsinitiative in die Nordsee. Wie genau dieser endete, war aber bis zuletzt unklar. Die Rettungsaktion soll rund 1,5 Millionen Euro gekostet haben. Da sollen die Kosten für die Schiffe noch nicht eingerechnet sein. Schon vor der großen Transportaktion waren bei früheren Rettungsversuchen hohe Kosten entstanden. Summa summarum kommt man so auf fast zwei Millionen Euro.

Auch rund zwei Wochen nach dem Aussetzen gibt es bislang keine bekannten Daten dazu, wo das Tier ist. Ein GPS-Sender liefere weiterhin keinerlei Signale zur Ortung, hieß es jüngst von der Privatinitiative zum Transport des Wals. Es gebe überhaupt keine Daten mehr. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt.

Vor dem Freisetzen des Buckelwals am 2. Mai soll nach Angaben der Initiative ein GPS-Sender an der Rückenfinne angebracht worden sein, der stetig Ortsdaten liefern sollte. Ob dies tatsächlich erfolgte, ließ sich nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. An dem toten Tier wurde kein Sender entdeckt.

Wenn es sich bei dem vor der dänischen Insel Anholt gestrandeten toten Wal tatsächlich um den Wismarer Buckelwal handelt, hoffen die Experten des Deutschen Meeresmuseums auf eine Untersuchung des Tieres. „Es geht darum, Erkenntnisse für künftige Strandungen und Rettungsaktionen zu gewinnen“, sagte eine Sprecherin des Museums. Ob es der Buckelwal ist, könnte über die Fluke zweifelsfrei bestätigt werden. Die Schwanzflossen haben in der Regel individuelle Musterungen und Umrisse und helfen deshalb bei der zweifelsfreien Identifizierung der Tiere. Das Meeresmuseum konnte allerdings keine eigenen Fotos von der Fluke des Buckelwals machen. Erste Aufschlüsse könnte allerdings bereits die Haut des toten Tieres geben.

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