Eine Todeszelle in den USA © Buck/dpa
London – Insbesondere durch die Exekutionen im Iran ist die Zahl der weltweit erfassten Hinrichtungen im vergangenen Jahr massiv gestiegen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verzeichnete 2025 mindestens 2707 Hinrichtungen in 17 Ländern – so viele wie seit 44 Jahren nicht mehr. Die Dunkelziffer schätzt die Organisation vor allem wegen des Umgangs mit der Todesstrafe in China noch deutlich höher ein.
„Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit. Dass immer noch Regierungen darauf setzen, zeigt eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben“, sagt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland. Im Jahr 2024 waren mindestens 1518 Hinrichtungen erfasst worden.
Der deutliche Anstieg werde vor allem durch den Iran verursacht, wo mindestens 2159 Menschen hingerichtet worden seien, teilte Amnesty mit. Die iranischen Behörden setzten die Todesstrafe „weiterhin als Waffe ein, (…) um Angst in der Bevölkerung zu verbreiten“ und diejenigen zu bestrafen, die das System herausforderten. Auch in diesem Jahr sind nach den Massenprotesten mehrere Menschen im Iran exekutiert worden.
Der Iran setzt die Todesstrafe den Angaben zufolge wie unter anderem Ägypten und Singapur durch Erhängen um. „Im Iran können wir aktuell auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten“, sagte Duchrow. 2024 waren im Iran mindestens 972 Fälle dokumentiert worden.
Die weltweit höchste Zahl an Hinrichtungen werde in China vollstreckt, teilte Amnesty mit – das tatsächliche Ausmaß bleibe aber unklar, weil entsprechende Daten zu Exekutionen „als Staatsgeheimnis gelten“. Die geschätzte Zahl gibt die Menschenrechtsorganisation mit mehreren Tausend an. Auch hier werde die Todesstrafe eingesetzt, „um zu signalisieren, dass der Staat Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit oder Stabilität nicht toleriert“.
In den USA verzeichnete Amnesty 47 Hinrichtungen und damit so viele wie seit 2009 nicht mehr. US-Präsident Donald Trump gilt als Befürworter der Todesstrafe, die in mehr als zwei Dutzend der 50 Bundesstaaten zugelassen ist. In mehreren Bundesstaaten wird sie allerdings de facto nicht mehr vollstreckt. Justizminister Todd Blanche sprach sich zuletzt dafür aus, dass Straftäter auf Bundesebene künftig auch durch Erschießen hingerichtet werden dürfen. Mit 1257 von den 2707 dokumentierten Fälle wurde fast die Hälfte der bekannten Hinrichtungen wegen Drogendelikten in China, Kuwait, Saudi-Arabien, Singapur und im Iran vollstreckt.