Die Straße wird geöffnet, um die Gasleitung zu kappen.
Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks tragen mit bloßen Händen den Schuttberg des eingestürzten Wohnhauses ab.
Das Unglück geschah in der historischen Altstadt von Görlitz. Die Suche nach Verschütteten ist ein Wettlauf gegen die Zeit. © Glaser/dpa (3)
Görlitz – Ein verzweifelter Mann steht vor den Trümmern eines eingestürzten Hauses im sächsischen Görlitz: Er befürchtet, seine Frau und seine Cousine könnten unter den Trümmern liegen. Erst am Nachmittag war er gemeinsam mit den beiden Frauen angekommen, um in dem Haus in einer Ferienwohnung Urlaub zu machen. Als er von einem kurzen Einkauf vom Supermarkt zurückkommt, liegt da, wo zuvor das Haus stand, nur noch ein großer Haufen Schutt.
Seine Frau und Cousine seien in der Wohnung geblieben. Im Supermarkt habe er eine Explosion gehört, erzählt der Tourist. Als er zurückgekommen sei, habe er direkt die Polizei und einen Krankenwagen alarmiert.
Er hoffe so sehr, dass seine Frau, die erst 25 Jahre alt sei, noch lebe, sagt der Mann. Er verstehe nicht, wie es sein könne, dass so etwas passiere. Er habe Familienangehörige von sich, seiner Frau und der Cousine in Rumänien und Großbritannien informiert. Diese machten sich nun auf den Weg nach Deutschland. Zwei der ursprünglich fünf Vermissten waren kurz nach Mitternacht aufgetaucht – die beiden Feriengäste waren zum Zeitpunkt der Explosion noch auf der Anreise. In dem eingestürzten Haus befanden sich laut Polizei Miet- und Ferienwohnungen.
Die Suche nach den Vermissten, der dritte ist ein 48 Jahre alter Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte, gleicht einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Einsatzkräfte sehen bei den möglicherweise drei Verschütteten eine Überlebenschance für bis zu 72 Stunden. „Wir sprechen immer noch von einer Vermisstensuche und nicht von einer Bergung“, sagte ein Polizeisprecher.
Bei der Suche nach den drei Vermissten nach dem Einsturz des Gründerzeithauses werden auch spezielle Spürhunde eingesetzt. „Die Hunde schlagen bei Lebenszeichen an, was sie gestern auch gemacht haben“, erläuterte der Einsatzleiter der Feuerwehr Görlitz, Remo Kölzsch. Heute hätten sie bislang aber nicht angeschlagen. Nach Polizeiangaben tritt auch am Dienstagmorgen noch immer Gas aus: Die Gefahr sei noch nicht gebannt. In der Nacht waren fünf Hunde im Einsatz – nach Feuerwehrangaben krochen sie in kleinste Höhlen. Die Tiere wurden am Dienstagmorgen abgelöst. Der Einsatz werde mindestens den ganzen Tag, zur Not auch die kommende Nacht andauern.
Eine Anwohnerin beschreibt am Tag danach die Explosion und wie viel Rauch durch das gekippte Balkonfenster in ihre Wohnung zog. „Es war wie so eine Bombe“, sagte Kerstin Wauer. Ein anderer Anwohner sagte dem Sender „Radio Lausitz“, es habe einen großen Knall und eine große Erschütterung gegeben.
„Ich bin instinktiv erst mal unter den Tisch gekrabbelt und habe dann den Notruf gewählt“, betonte er. Vom Balkon aus habe er schreiende Menschen vernommen. „Als gelernter Klempner habe ich gleich an Gasexplosion gedacht.“ Ein anderer Augenzeuge sagte: „Ich dachte schon, bei uns fällt ebenfalls das Haus ein, das hat so einen Hieb gegeben.“
Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands, sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt.