Was hat Venturini mit Venedig vor?

von Redaktion

Das sind die Pläne des neuen Bürgermeisters – Kritiker befürchten Untergang

Das Hochwasser bereitet Venedig auch immer mehr Probleme. © Picture alliance

Simone Venturini ist der neue Bürgermeister. © Wikipedia

Touristen-Magnet Venedig: 2025 kamen 34,5 Millionen Besucher. © Picture alliance

Venedig – Sieht so der Untergang aus? Simone Venturini trägt weißes Hemd, Krawatte, grau meliertes Haar. Seine Gesichtszüge sind gleichmäßig, er ist 38 Jahre alt und stammt aus Marghera, dem Festlandteil Venedigs. Bei den Kommunalwahlen am Sonntag und Montag hat der Jurist seinen bisher größten politischen Erfolg erzielt: Venturini ist Venedigs neuer und bisher jüngster Bürgermeister. Mit 51 Prozent der Stimmen setzte er sich schon im ersten Wahlgang gegen den Mitte-Links-Kandidaten Andrea Martella durch.

Vielleicht wächst da ein neuer politischer Star der Konservativen heran. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni jedenfalls atmet erstmal auf, ihre Partei hat Venturini unterstützt. Laut Umfragen drohte in Venedig eine Niederlage für das Rechtsbündnis. Es kam anders. So, wie es Opposition und Kritiker der bisherigen Stadtregierung befürchteten. „Am 24. Mai entscheidet sich die Zukunft Venedigs“, hatte der bekannte italienische Autor Antonio Scurati vor der Kommunalwahl in der Zeitung „La Repubblica“ gemahnt. „Aber es ist nicht sicher, ob Venedig überhaupt eine Zukunft hat“, fügte er hinzu. Das nackte Überleben der Stadt sei „durch eine maritime und eine menschliche Flut“ gefährdet, die dringend gestoppt werden müssten. Wird das Horrorszenario nun Wirklichkeit?

Venturini war bislang Referent für Tourismus, wirtschaftliche Entwicklung, Arbeit und Wohnen, die großen Problemthemen der Lagunenstadt. Die Vermietung von Tourismuswohnungen wurde in seiner Amtszeit nicht gestoppt, der Wohnraum ist knapp, die Preise hoch. 2024 führte Venturini eine umstrittene Eintrittsgebühr von bis zu zehn Euro an rund 60 Tagen im Jahr für Tagestouristen ein. Die hat 2025 zwar 5,4 Millionen Euro in die Stadtkassen gespült, aber nichts am Run auf die Stadt und die daraus folgenden Probleme geändert. Durchschnittlich ergießen sich rund 60.000 Menschen in die Stadt, an manchen Tagen sind es bis zu 120.000 Besucher. Und das bei nur noch 48.000 Einwohnern im Zentrum.

Nach einer Schätzung der „Stiftung Venedig Welthauptstadt der Nachhaltigkeit“ kamen im Jahr 2025 insgesamt 34,5 Millionen Besucher in die Stadt, darunter auch Pendler, Studenten und Zweitwohnungsbesitzer. Alleine 21 Millionen waren Touristen. Politiker wie Ex-Bürgermeister Paolo Costa schlugen deshalb eine Obergrenze für Touristen vor, etwa genau jene 60.000 pro Tag per Reservierung. Die Einführung einer Obergrenze ist bei Unternehmern, Restaurantbesitzern und Hoteliers unpopulär. Auch Venturini will sie nicht. Venedig hängt am Tropf des Tourismus.

Und dann wäre da noch die „maritime Flut“, vor der Schriftsteller Scurati warnt. Der Meeresspiegel in der Lagune steigt derzeit um fünf Millimeter pro Jahr. Was kann die Kommunalpolitik gegen den Klimawandel und den Anstieg des Meeresspiegels unternehmen? Fast nichts. Venturini und Ex-Bürgermeister Luigi Brugnaro scheinen das Problem nicht besonders ernst zu nehmen.JULIUS MÜLLER-MEININGEN

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