Stuttgart – Gleich zu Monatsbeginn kommt es zu einem Wettlauf der beiden hellsten Planeten am abendlichen Westhimmel. Die hellere Venus verfolgt den Riesenplaneten Jupiter. Am 9. Juni überholt Venus schließlich in drei Vollmondbreiten nördlichem Abstand Jupiter. Mit einem Fernglas kann man die vier hellsten Monde von Jupiter erspähen. Insgesamt sind inzwischen 101 Monde bekannt, die den Riesenplaneten auf seinem Weg um die Sonne begleiten. Die meisten sind jedoch winzige Monde von nur wenigen Kilometern Durchmesser und darunter. Der mondreichste Planet ist hingegen Saturn, der von 285 Trabanten umrundet wird. Ende Juni zieht sich Jupiter vom Abendhimmel zurück und wird unbeobachtbar. Er wird von der Sonne verfolgt, die ihn schließlich am 29. Juli einholt.
Der flinke Merkur zeigt sich in der ersten Monatshälfte am Abendhimmel knapp über dem Nordwesthorizont. In der fortschreitenden Dämmerung zeigt er sich erstmals. Gegen 23 Uhr geht der sonnennächste und kleinste Planet schließlich unter. Nach der Monatsmitte wird man vergeblich nach Merkur Ausschau halten, wenn er auch am 15. mit 25 Grad seinen größten östlichen Abstand von der Sonne erreicht.
Saturn im Sternbild der Fische zeigt sich am Morgenhimmel. Zu Monatsanfang geht der Ringplanet eine Viertelstunde nach 3 Uhr morgens auf. Ende Juni erfolgt der Saturnaufgang bereits eine halbe Stunde nach Mitternacht. Während des Monats nimmt die Saturnhelligkeit leicht zu.
Mars lässt sich noch nicht am Morgenhimmel blicken. Erfahrene Himmelsbeobachter mögen den roten Planeten Ende Juni in der beginnenden Morgendämmerung tief am Nordosthimmel aufstöbern.
Schon am 1. befindet sich der Mond mit 406.366 Kilometern in Erdferne. Am 15. tritt um 4.54 Uhr Neumond ein. Fast gleichzeitig kommt der Mond mit 357.196 Kilometern in Erdnähe. Das Zusammenfallen von Neumond und Erdnähe führt wieder zu Springfluten. Ein zweites Mal kommt der Mond am 28. mit 406.265 Kilometern in Erdferne. Vollmond wird am 30. um 1.57 Uhr im Sternbild Schütze erreicht. Es ist der südlichste des ganzen Jahres.
Am Abend sieht man den hellen, orangeroten Arktur hoch im Süden. Er ist der Hauptstern im Rinderhirt, dem Sternbild Bootes. Arktur wiederum heißt Bärenhüter. Er treibt den Großen Bären um den Polarstern herum. Der Himmelswagen, gebildet vom Schinken und Schwanz des Großen Bären, befindet sich bereits in der westlichen Himmelshälfte. Die Mittagslinie hat er bereits passiert. Nahe dem Nordhorizont findet man das Himmels-W, die Königin Kassiopeia.
Der westliche Teil des Firmaments wird noch von den Frühlingsbildern geprägt. Weit im Westen steht schräg zum Horizont das mächtige Sternentrapez des Löwen. Im Südwesten trifft man auf die Jungfrau mit ihrem Hauptstern Spica.
In der östlichen Himmelshälfte kündigt sich der Sommer an. Das Sommerdreieck ist bereits vollständig aufgegangen. Es setzt sich aus den drei Sonnen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler zusammen. Sterne sind bekanntlich Sonnen, selbstleuchtende, glühend heiße Gasbälle, gewissermaßen Geschwister unserer eigenen Sonne.
Wega und Arktur sind die beiden hellsten Sterne des Nordhimmels und somit auch von unseren lichtüberfluteten Städten aus gut zu sehen. Die Wega sendet ein grelles, bläulich-weißes Licht aus. Mit 25 Lichtjahren, das sind 236 Billionen Kilometer, gehört Wega zu den Nachbarsonnen unserer Sonne. Sie ist allerdings dreimal so groß und rotiert viel schneller. Wega dreht sich in nur zwölf Stunden einmal um sich selbst. Infolge ihrer raschen Rotation ist die Wega stark abgeplattet.
Tief im Süden krabbelt der Skorpion den Horizont entlang. Sein tiefroter Hauptstern Antares ist kaum zu übersehen. Antares ist eine rote Überriesensonne in 550 Lichtjahren Entfernung. Antares ist so riesengroß, dass bequem die Sonne samt der Erdbahn in seinem riesigen Gasleib Platz fände.
Die Sonne erklimmt am 21. Juni um 10.25 Uhr im Sternbild Stier den Gipfel ihrer Bahn. Der Sommerpunkt liegt an der Grenze zum Sternbild Zwillinge, in das die Sonne wenige Stunden später eintritt. Der Sommerpunkt markiert den Beginn des Tierkreiszeichens Krebs, weshalb man vom Wendekreis des Krebses spricht. Die Sommersonnenwende beschert uns den längsten Tag des Jahres. Er dauert in München 16 Stunden und vier Minuten, in Hamburg 17 Stunden und drei Minuten und in Berlin 16 Stunden und 57 Minuten.