Der Mieten-Stopp von Manhattan

von Redaktion

New Yorks Bürgermeister Mamdani will Wohnungen verstaatlichen

Zoran Mamdani, Bürgermeister von New York. © Yenesel/EPA

Manhattan gehört zu den teuersten Gegenden in New York. Die Mieten sind hier exorbitant. © Hudson Yards/dpa

New York – In den USA bricht die Millionenmetropole New York einen traurigen Rekord: Nirgendwo ist das Wohnen teurer als hier – in einer Stadt, in der manche Neuankömmlinge erst einmal wochenlang im Auto schlafen müssen, bis sie eine Bleibe gefunden haben. Die Durchschnittsmiete für ein Einzimmer-Apartment beträgt mittlerweile in Stadtteilen wie Manhattan, Chelsea oder Brooklyn umgerechnet 3300 Euro. Wohnungen mit zwei Schlafzimmern in mittleren Lagen gehen bis zu 7000 Euro. Damit zählt New York zu den weltweit teuersten Pflastern, zu denen auch London, Dubai und Tokio gehören. Deutsche Städte wie Berlin oder München sind hingegen vergleichsweise preiswert – mit 1300 bis 2200 Euro Monatsmiete für Ein- bis Zweizimmer-Wohnungen.

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani gewann auch deshalb die Wahl, weil der Demokrat den Bürgern billigeren Wohnraum versprochen hatte. Wie er dies umsetzen wollte, sagte er im Wahlkampf nicht – wobei dies vor allem deshalb interessant gewesen wäre, weil Vermieter nirgendwo in der Welt freiwillig ihre Mieten reduzieren. Und für den massenhaften Neubau von Sozialwohnungen gibt es im dicht besiedelten New York keinen Platz. Doch jetzt ist die Katze aus dem Sack. Denn Mamdanis Wohnungsbeauftragte Cea Weaver will mit einer Anti-Vermieter-Politik dafür sorgen, dass künftig die Stadtväter die Mieten bestimmen können. Weaver sieht Haus- und Wohnungseigentum als Zeichen „weißer Überlegenheit“ und „Rassismus“, der gleichzeitig für eine verfehlte öffentliche Politik stehe.

Die Wohnungsbeauftragte ist der Meinung, dass Grundbesitz in „Kollektive“ transferiert werden müsse. Den Hebel dafür sehen Mamdani und Weaver in mehreren Maßnahmen: Zum Beispiel dem Einfrieren bestehender Mieten. Gleichzeitig sollen Vermieter durch Inspektoren schärfer unter die Lupe genommen und zu aufwendigen Renovierungen gezwungen werden. Auch die Grundsteuern sollen erhöht werden. Dieses Maßnahmenbündel soll es für Grundbesitzer nicht mehr lukrativ machen, an ihrem Wohnungseigentum festzuhalten. Strafgelder für ausgebliebene Reparaturen und höhere Steuern sollen – mit der Mietpreisbremse – für ein Überangebot von Verkäufen und einen Preisverfall sorgen, den die Stadt für günstige Zukäufe ausnutzen will.

Aus Privateigentum wird also städtisches Eigentum – Kritiker sehen das als Enteignung durch die Hintertür. Die Stadt will dann die Mieten so senken, dass sich auch Minderheiten wie Latinos und Afro-Amerikaner Wohnungen in besseren Lagen leisten können. Ob diese Mieten für die Stadt kostendeckend sind, ist fraglich. Manche Experten fürchten, dass das Vertreiben von Immobilieninvestoren der Stadt enorme Kosten aufbürdet, die sie durch Steuererhöhungen auf anderen Gebieten eintreiben müsse. Da vor allem Schulen durch private Grundsteuern finanziert werden, dürfte sich hier zuerst zeigen, ob Verstaatlichungen die richtige Antwort auf die Wohnungskrise in New York sind.FRIEDEMANN DIEDERICHS

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