Lebenszeichen aus Ötzis Darm

von Redaktion

Wissenschaftler entdecken Hefe in der Gletscher-Mumie – und backen Brot damit

Biologe Mohamed Sarhan mit Ötzi-Hefe. © Giovanni/dpa

Mumie Ötzi wurde 1991 entdeckt. © Lafogler/dpa

Bozen – Rund 5300 Jahre nach dem Tod von Ötzi haben Wissenschaftler Hefe im Darm des Gletschermanns gefunden – und Brot damit gebacken. Einer in der Zeitschrift „Microbiome“ veröffentlichten Studie eines in Italien ansässigen Teams zufolge blieben sowohl uralte als auch neue Mikroorganismen in dem gefrorenen Körper aktiv. „Was wir nicht erwartet hatten, war Hefe“, sagte der leitende Studienautor Mohamed Sarhan vom Eurac-Forschungsinstitut in Bozen.

Die Fachleute entdeckten vier verschiedene Hefen, die Minustemperaturen überleben können, in Ötzis Darm, auf seiner Haut und in dem Wasser, das von seinem Körper abtropfte, als er teilweise auftaute. Diese Hefearten leben nur unter sehr kalten Bedingungen wie in der Antarktis oder in den Alpen. Daher wird angenommen, dass sie nach seinem Tod in Ötzis Körper gelangt sind.

„Diese Hefepilze haben Ötzi auf seiner langen Reise durch die Jahrtausende begleitet“, erklärte der Mitautor der Studie, Frank Maixner. Die Wissenschaftler vermehrten die Darmhefe anschließend in einem Kühlschrank. „Wenn man jemandem erzählt, dass man Hefe hat, wird sofort gefragt: Kann man damit Brot backen?“, sagte Sarhan. Daher versuchten die Wissenschaftler, ein Sauerteigbrot zu backen.

Zu Beginn habe dies nicht funktioniert, sagte der Forscher. Doch nach drei Monaten Bemühungen „hatten wir einen sehr, sehr guten Sauerteig“, sagte Sarhane. Erwägen die Wissenschaftler etwa auch, die Hefe zum Bierbrauen zu verwenden? „Das steht auf der Liste“, so Sarhane.

Die Studie weist aber auch auf ernsthaftere Anwendungsmöglichkeiten für die Hefe hin. Als die Mumie 1991 gefunden wurde, wurde sie zunächst wie eine normale Leiche behandelt. Die Chemikalie Phenol wurde verwendet, um das Wachstum von Pilzen in den sterblichen Überresten zu verhindern. Die Hefe war jedoch in der Lage, das Phenol abzubauen. Das bedeutet den Wissenschaftlern zufolge, dass sie in Zukunft dazu beitragen könnte, die Chemikalie in kontaminierter Umgebung abzubauen.

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