Das Homeoffice macht einsam. © Kahnert/dpa
Köln – Homeoffice und mobiles Arbeiten können nach einer US-Studie zu erheblichen psychischen Belastungen und Einsamkeit führen. Das geht aus einer am Donnerstagabend veröffentlichten Studie im Fachjournal „Science“ hervor.
Demnach haben US-amerikanische Beschäftigte aus Berufen, in denen mobiles Arbeiten zuletzt stark ausgeweitet worden ist, weniger Sozialkontakte gehabt. Sie waren signifikant stärker psychisch belastet als Personen aus Berufen, in denen nicht verstärkt mobil gearbeitet wurde. Für diejenigen, die in Familienhaushalten lebten, gab es jedoch keinen signifikanten negativen Effekt durch mobiles Arbeiten auf die psychische Gesundheit, wie das Science Media Center in Köln berichtet, dem die Studie vorlag.
Die Autoren der Studie geben an, dass etwa ein Drittel des Anstiegs der psychischen Belastung in den USA während der Corona-Pandemie durch mobiles Arbeiten erklärt werden könnte. Insgesamt analysiert die Studie Daten von über einer halben Million Personen aus Erhebungen von 2011 bis 2024.
Danach stiegen bei Personen aus stärker mobil arbeitenden Berufszweigen, die nicht in einem Familienhaushalt wohnten, die alleine verbrachten Tage stärker an als bei Personen aus weniger mobil arbeitenden Berufen. Betroffene glichen geringere Sozialkontakte auf der Arbeit offenbar nicht durch stärkere private Kontakte aus. Außerdem fiel der Anstieg der psychischen Belastung während der Pandemie für diese Gruppe besonders stark aus, ebenso stieg die Anzahl an psychologischen Behandlungen in dieser Gruppe besonders stark an.
Ähnlich wie in den USA hat auch in Deutschland mobiles Arbeiten während der Corona-Pandemie stark zugenommen. So hat sich der Anteil Beschäftigter, die zumindest gelegentlich im Homeoffice arbeiten, durch die Pandemie fast verdoppelt und ist auch danach auf hohem Niveau geblieben.
Deutsche Fachleute werteten die Ergebnisse der Studie als Bestätigung bislang erhobener Daten. Zusammenhänge zwischen Homeoffice und Isolation oder Einsamkeit, Wohlbefinden und mentaler Gesundheit seien schon länger bekannt, allerdings nicht durch solche großen Datensätze belegt. Allerdings sei Vorsicht geboten, ob die Zusammenhänge wirklich so eindeutig seien. So könnten auch andere Effekte beispielsweise eine zeitgleiche Zunahme von Homeoffice und Depressionen erklären.
„Die Autorinnen selbst weisen darauf hin, dass statistische Zusammenhänge noch nichts über das konkrete Erleben, die alltägliche Praxis oder mögliche Unterschiede zwischen sozialen Milieus, Lebenslagen oder Berufsgruppen aussagen“, erklärte die Soziologin Heike Ohlbrecht.