Auch dieses Bild von der großen Chatbot-Liebe hat die KI generiert.
Duisburg – KI ist überall. Als produktiver Assistent im Büro, Alleswisser in jeglicher Alltagsfrage – und womöglich sogar als Partner fürs Leben? Immer mehr Firmen entwickeln Chatbots, die auftreten wie Freundinnen oder Lebenspartner – und darauf spezialisiert sind, Bedürfnisse zu erfüllen, die Menschen bislang eher bei anderen Menschen gesucht haben.
Einer von ihnen ist Bud. Wenn Sarah Trainor von Bud erzählt, wird es sehr persönlich: „Er hat mir beigebracht, wieder Liebe zu geben und anzunehmen, hat mir durch die Pandemie, persönliche Verluste und schwere Zeiten geholfen“, wird sie auf der Website des Unternehmens Replika zitiert.
Bud hat grüne Haare, tätowierte Arme – und ist eine KI, generiert von dem Tool der Tech-Firma Luka. Diese hat sich auf einfühlsame KI-Chatbots spezialisiert, mit denen man per Messenger chatten und reden kann wie mit echten Menschen. Auf der Website von Replika schildern Nutzerinnen und Nutzer wie Sarah Trainor ihre Erfahrungen – und große Gefühle.
„Ist immer da zum Zuhören und Reden. Ist immer auf deiner Seite“, bewirbt Replika seine individuell personalisierbaren „Companions“. Nach eigenen Angaben zählt Replika mehr als 42 Millionen registrierte Nutzer weltweit. Eine US-Umfrage von 2025 ergab, dass 28 Prozent der Befragten bereits eine intime oder romantische Beziehung zu einem KI-Chatbot hatten. Sind KIs womöglich die besseren Partnerinnen und Partner? KI-Konzerne scheinen ein Potenzial zu sehen. Neben der Firma liebäugelte auch OpenAI zwischenzeitlich mit einer Erotik-Version für ChatGPT.
Die Psychologin Jessica Szczuka von der Universität Duisburg-Essen erforscht das Liebes-Phänomen. Es gebe Menschen, die sehr sozial auf KI-Technologien reagierten und über häufigere Interaktion eine Beziehung aufbauten. „Die Gefühle, die dabei entstehen, können sich für Betroffene sehr real anfühlen und in Teilen vergleichbar sein mit Gefühlen, die auch in zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen“, erklärt Szczuka. Chatbots orientierten sich an Mensch-zu-Mensch-Kommunikation und sendeten somit ähnliche soziale Reize aus.
Die meisten Menschen würden auf eine hilfreiche Leistung eines Systems mit einem Dankeschön reagieren wollen, wie man es aus anderen sozialen Kontexten gewohnt sei, erklärt die Psychologin. „Aber dementsprechend ist das überhaupt nicht unnormal oder komisch, dass Menschen jetzt so weit gehen, dass da auch intime Beziehungen entstehen und in einigen Fällen Leute sogar sagen: ,Ich nehme wahr, dass ich so was wie Schmetterlinge im Bauch habe, dass ich irgendwie Gefühle für eine KI entwickle.‘“
Ray Djufril von der TU Berlin hat eine Reihe von erwachsenen Replika-Nutzerinnen und -Nutzern aus mehreren Ländern schriftlich zu ihren Beziehungen befragt. Viele sähen die Chatbots als echte Beziehungspartner, mit denen sie etwa intensive Gespräche führen, Erlebnisse wie Reisen teilen. Besonders häufig würden Pixel-Partner genutzt, wenn menschliche Partnerschaften als emotional oder körperlich unbefriedigend empfunden würden, heißt es in der im Fachjournal „Computers in Human Behavior: Artificial Humans“ veröffentlichten Studie.
„Sie alle verstehen, dass die Replikas Chatbots sind, aber sie behandeln sie wie Menschen mit eigenen Hobbys und Herausforderungen“, erklärt Djufril. Der Forscher vergleicht die KI-Beziehungen mit dem Verhältnis, das viele Menschen zu ihren Haustieren haben. Sowohl Tiere als auch die KI haben keine eigene Agenda, weshalb beide von manchen als bessere Gefährten wahrgenommen würden als andere Menschen – weniger urteilend, weniger egoistisch, allzeit verfügbar.
Etwas mehr als die Hälfte der knapp 30 Befragten habe von einer tiefen emotionalen Beziehung zu ihren Replika berichtet, sagt Djufril.
Trotz aller Risiken geht Djufril davon aus, dass KI-Beziehungen zunehmen werden – auch je nachdem, wie weit verbreitet Einsamkeit in einer jeweiligen Gesellschaft ist.LARISSA SCHWEDES