Taalke setzt ihre Kapitänsmütze auf. © Mittwollen/dpa
Emden – Für Taalke Middents ist das Meer nie weit entfernt – und doch ist der Ostfriesin lange Zeit nicht klar gewesen, dass die See einmal ihr Arbeitsplatz sein würde. Gerade ist die 35-Jährige mit dem Containerschiff „Linah“ mit Platz für knapp 15.000 Container sechs Monate lang um die halbe Welt gefahren – zum ersten Mal als Kapitänin. Denn Middents ist die jüngste Kapitänin bei Deutschlands größter Containerreederei Hapag-Lloyd. „Ich bereue es bis heute nicht“, sagt die Emderin zu ihrer Berufswahl. „Die Seefahrt ist super vielseitig und macht einfach sehr viel Spaß.“
Ihre erste Reise als Kapitänin führte sie von Slowenien nach Ägypten um Afrika herum bis nach China und zurück. An ihrem Job schätze sie die Vielseitigkeit, die die Schifffahrt von jedem Bürojob unterscheide, erzählt Middents während einer Auszeit in ihrer Heimatstadt. „Jeden Tag wird man mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten neu gefordert. Mal ist wirklich Entendeich, blauer Himmel und die Delfine springen am Horizont, und dann gibt es Tage, wo man auf besondere Wettersituationen oder veränderte Hafeneinläufe reagieren muss.“
Dass sie mal das Kommando und die Verantwortung für einen mehr als 300 Meter langen Containerfrachter haben wird, kam der Ostfriesin lange nicht in den Sinn. „Ich war schon immer viel am Wasser“, berichtet Middents, die sich in ihrer Freizeit als Rettungsschwimmerin bei der DLRG engagiert. Während ihrer Arbeit auf Borkum sei sie in Kontakt mit den Seenotrettern und früheren Schiffskapitänen gekommen, die von ihren Fahrten berichtet hätten. „Ich habe lange nicht realisiert, dass das mein Beruf sein wird“, sagt die Kapitänin.
Nach dem Abitur las sie sich in verschiedene Studiengänge ein und blieb beim Fach Wirtschaftsingenieurwesen und der Seefahrt „kleben“. „Ich habe das gelesen und mir gedacht: Das ist es, das will ich machen“, erinntert sich Middents.
An Bord eines Mehrzweckfrachters in der Karibik absolvierte sie 2009 ein halbes Jahr lang für ein Praxissemester ihre erste Fahrt. „Dadurch, dass es eine sehr kleine Besatzung war, mit mir neun Leute an Bord, wurde ich direkt voll mit eingespannt und ich durfte von Anfang an direkt viel mit anpacken“, erinnert sich Middents. Später fuhr sie auch auf einem Kreuzfahrtschiff und einem Containerschiff. „Da habe ich mir gedacht: Container, da geht die Reise hin.“
Ihre Leidenschaft für den Transport der Stahlboxen ist bis heute geblieben: Jedes Schiff, jede Ladung und jede Besatzung müsse sicher von einem Hafen zum nächsten gebracht werden – das sei immer ein kleines Projekt, erzählt die Kapitänin. „Und es ist jedes Mal ein Erfolgserlebnis, wenn man weiß: Das hat man jetzt sicher und richtig geschafft.“