Mykonos ist ein häufiges Touri-Ziel. © Baltagiannis/dpa
Athen – Umkleidekabinen, Toiletten, Flure: Helena, 64, hat viel zu putzen. Sie tut dies werktäglich in einem privaten Schwimmbad im nördlichen Athener Vorort Geraka, um ihre Rente aufzustocken. Einen Urlaub könne sich die Griechin in diesem Sommer dennoch nicht leisten. „Verreisen? Das ist viel zu teuer. Also bleibe ich daheim.“ Helena ist in Hellas kein Einzelfall. Im Gegenteil: Wie eine im Mai 2026 durchgeführte Umfrage eines Athener Instituts ergab, erklärte genau die Hälfte der Befragten, dass sie keinen Urlaub im Sommer 2026 plane, auch nicht im eigenen Land.
Die Gründe dafür: Während die Löhne, Gehälter, Renten und Pensionen auf einem niedrigen Niveau dümpeln, klettern die Preise für den Transport, die Unterkunft sowie die Verpflegung immer weiter. Und dies gilt nicht nur für Hellas‘ ultimative touristische Hotspots wie Mykonos, Santorin, Korfu, Kreta, Kos und Rhodos.
Stichwort billige Arbeit: Konkret belief sich das Arbeitseinkommen für einen Vollzeitjob in Hellas im Jahr 2025 auf im Schnitt 1516 Euro brutto pro Monat. Dies sind bloß 38 Euro mehr als im Vorjahr. Davon sind pro Monat etwa 350 Euro für Steuern und Sozialabgaben abzuziehen. Ein Drittel der Arbeitnehmer erhält zudem weniger als 1000 Euro brutto pro Monat. Die Sparquote ist in Griechenland negativ – in Europa ein Unikum.
Zwischen den Pensionen von Beamten und Renten aus dem privaten Sektor herrscht in Hellas zudem weiterhin eine große Kluft. Die griechische Beamtenpension belief sich nach offiziellen Angaben im Dezember 2025 auf 1425 Euro brutto. Die Altersrente früherer Arbeitnehmer im griechischen Privatsektor betrug hingegen im Schnitt lediglich 893 Euro. Für alle gilt jedoch: Damit kommt man kaum über die Runden. Denn die Lebenshaltungskosten in Griechenland ziehen weiter an: Die Inflationsrate liegt aktuell bei 5,2 Prozent.
Griechenland hat sich zum teuersten Reiseziel im Mittelmeerraum für den Sommer 2026 entwickelt. Und die Preise steigen weiter: Für Hotelübernachtungen, Cafés und Restaurants stiegen sie laut Elstat im Mai dieses Jahres um 8,5 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat. In 3-Sterne-Hotels liegt der Durchschnittspreis für eine Übernachtung im Juni zwischen 105 Euro und 145 Euro und erreicht im August 150 Euro bis 180 Euro.
Ferner ist ein Essen für zwei Personen in einer gewöhnlichen Taverne in Athen zumeist nicht für unter 60 Euro zu haben, ohne Getränke wohlgemerkt. In den griechischen Urlaubsgebieten liegen die Preise dafür in der Regel deutlich höher. Hinzu kommt der Preisanstieg bei Lebensmitteln und alkoholfreien Getränken mit einem Plus von 3,5 Prozent. In puncto Kaufkraft ist das Land mit Bulgarien auf den letzten Platz in der EU-27 gerutscht.
Bliebe die andere Hälfte der 10,4 Millionen Einwohner Griechenlands, die sich in diesem Sommer doch einen Urlaub leisten kann. Davon erklären laut IELKA-Umfrage 68 Prozent der Befragten, dass sie dies im Vergleich zur Vergangenheit „nur in eingeschränktem Umfang“ machen können. Weitere 28 Prozent der griechischen Urlauber gaben an, „wie jedes Jahr“ zu verreisen. Die übrigen vier Prozent planen dieses Mal einen längeren Urlaub als früher. Die überwiegende Mehrheit (91 Prozent) der verreisenden Griechen verbringt ihren Urlaub im eigenen Land.