Der Angeklagte Marius Borg Høiby soll vier Jahre in Haft. Er kann noch Berufung gegen das Urteil einlegen. © Junge/dpa
Oslo – Er soll mehrere Frauen vergewaltigt und ohne ihr Wissen gefilmt und fotografiert haben. Dafür wurde Marius Borg Høiby, der älteste Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, nun zu vier Jahren Haft verurteilt. Ein Gericht in Oslo verurteilte den 29-Jährigen für 34 Straftaten, darunter zwei Vergewaltigungen. Von zwei weiteren Vergewaltigungsvorwürfen, darunter eine schwere Vergewaltigung, wurde Høiby freigesprochen. Vier Frauen muss er eine Entschädigung zahlen, darunter zwei Ex-Freundinnen. Kurz nach dem Urteil kündigte sein Verteidiger an, dass Høiby Berufung einlegen werde. Auch die Staatsanwaltschaft erwägt, in Berufung zu gehen.
Einer der Vergewaltigungsfälle, in denen die Richter den Norweger für schuldig halten, hatte sich am Sitz der Kronprinzenfamilie abgespielt. „Es wurde Videomaterial in dem Fall vorgelegt. Die Aufnahmen zeigen sexuelle Handlungen und das Eindringen mit dem Finger“, sagte der Vorsitzende Richter einer norwegischen Tageszeitung. „Die Geschädigte liegt völlig still da, es sind keine Geräusche zu hören.“ Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau während der Aufnahmen geschlafen hat. Auch für einen ähnlichen Vorfall in der Wohnung einer Frau, die Høiby bei einem Fest kennengelernt hatte, wurde er demnach verurteilt.
Mehrere der Taten hatte der Sohn der Kronprinzessin gestanden. Darunter Fälle von Körperverletzung und Vandalismus, Verstöße gegen ein Kontaktverbot zu einer Ex-Freundin, verschiedene Verkehrsdelikte sowie den Transport von 3,5 Kilo Marihuana. Außerdem sah das Gericht es als erwiesen an, dass Høiby eine andere Ex-Freundin während der Beziehung missbraucht hatte. „Es liegen mehrere Gewalttaten vor“, sagte der Vorsitzende Richter. „Aber im Mittelpunkt steht besonders die psychische Misshandlung.“ Diesen Vorwurf hatte Høiby bestritten – genau wie die vorgeworfenen Vergewaltigungen der vier Frauen, während diese schliefen.
Im Gerichtssaal erschien Høiby zur Urteilsverkündung nicht. Aus gesundheitlichen Gründen verfolgte er das Urteil per Videoschalte, aus der Untersuchungshaft im Gefängnis. Weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung dürften zufrieden mit dem Urteil sein. Die Anklage wollte den Norweger für sieben Jahre und sieben Monate hinter Gittern sehen. Høibys Verteidiger hatten dagegen zum Abschluss der wochenlangen Gerichtsverhandlung im März einen Freispruch von den Vergewaltigungs-Vorwürfen gefordert und auf eineinhalb Jahre Haft für ihren Mandanten plädiert.
Mehrfach hatte Høiby während des Prozesses versucht, aus der Untersuchungshaft freizukommen – notfalls mit elektronischer Fußfessel. Sein Antrag wurde jedoch in zweiter Instanz abgelehnt. Der Gesundheitszustand seiner Mutter Mette-Marit hatte sich zuletzt rapide verschlechtert. Die Kronprinzessin leidet an einer unheilbaren, chronischen Lungenkrankheit und braucht nach Angaben des norwegischen Hofs dringend eine neue Lunge. Høiby hatte es als unerträglich bezeichnet, in dieser Zeit nicht bei seiner Mutter sein zu können. Nach dem Urteil beantragte er erneut die Freilassung aus der U-Haft.