Bier gibt es für die Fahrgäste weiter, aber beim Essen stellt die Bahn in ihren Bistros um. © Fassbender/dpa/Archiv
München/Berlin – „Egal, ob für den kleinen oder großen Hunger, freuen Sie sich auf bekannte Klassiker ebenso wie auf ausgewählte Speisen mit dem gewissen Etwas.“ So wirbt die Deutsche Bahn für den Besuch ihrer Bordgastronomie in einem ihrer knapp 400 ICE-Züge. Bisher gehörte dazu auch ein Klassiker: Pommes. Doch das ist Vergangenheit: Pommes sind aus – für immer. Ein harter Schlag in die Magengrube für die Liebhaber von Fast Food.
Seit Anfang Juni ist die beliebte Beilage, die zum Beispiel zur Currywurst serviert wurde (aber auch solo erhältlich war), nicht mehr im Sortiment. „Mit einer neuen Speisekarte führen wir häufig neue Produkte ein, um unseren Gästen Abwechslung zu bieten und etwas Neues auszuprobieren“, erklärt ein Pressesprecher gegenüber unserer Zeitung. Stattdessen gebe es nur eine „neue Kartoffelvariante“, nämlich Kartoffelecken. Ein Tellerchen wird im ICE für schlappe 5,90 Euro serviert – inklusive „Dipp“ (Ketchup, Majo oder Knoblauchsoße), der – wie ein Selbstversuch zeigt – statt im Porzellanschälchen auch mal einfach im herkömmlichen Plastik-Wegwerftütchen auf den Tisch gelegt wird.
Die Abschaffung der Pommes lässt sich aber nicht nur mit der Ausprobierfreudigkeit eines DB-Spitzenkochs erklären: Hintergrund ist vielmehr, wie ein Servicemitarbeiter unserer Zeitung verrät, die Abschaffung der Tiefkühlung in den Speisewagen des ICE. Pommes müssen tiefgekühlt werden, für die labbrigen Kartoffelecken reicht ein normaler Kühlschrank. Der Bahnsprecher bestätigt: „Die Tiefkühlung wird abgeschafft, um die Bordgastronomie zuverlässiger und weniger komplex zu gestalten.“ Damit fallen in Zukunft, sagt der Gastro-Steward, auch weitere Klassiker aus dem Programm: Zimtschnecke etwa, oder Eiswürfel für den Gin-Tonic.
Dabei hatte Bahnchefin Evelyn Palla erst im Februar ein Sofortprogramm „Mehr Komfort in den Zügen des Fernverkehrs“ versprochen und Verbesserungen in der Bordgastro in Aussicht gestellt. „Optimierte Logistikprozesse sorgen für eine höhere Verfügbarkeit von Speisen und Getränken“, hieß es im schönsten PR-Sprech. Als Beispiel wurde die regelmäßige Wartung der Kaffeemaschinen in Aussicht gestellt – eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
Von der „Optimierung“ der Speisekarte ist auch ein Lieblingshappen der Vegetarier betroffen: Die vegane Currywurst in der Bordgastro ist seit Juni ebenfalls Geschichte. Diese war erst 2023 eingeführt worden, damals mit großem Medienrummel. „Die Veganisierung beliebter Klassiker begeistert eine riesige Zielgruppe und lädt zum Probieren ein“, hieß es damals von der DB. Nun die Kehrtwende.
Im Netz wird das Aus teils kritisiert, teils hat man aber auch Verständnis: „Ich möchte niemandem auf den Schlips treten, aber könnte es sein, dass der vegane Trend einfach vorbei ist?“, fragt ein User auf der Plattform Reddit.com. Absatzprobleme bestätigt auch die Bahn: „Die vegane Currywurst wurde im Rahmen einer regelmäßigen Sortimentsüberprüfung aus dem Angebot genommen“, erklärt der Bahnsprecher. Es habe eine „rückläufige Nachfrage“ gegeben.