Auch in anderen Städten randalieren die Gangs. © X
Die Jugendgangs sorgen in dem bei Deutschen beliebten Jesolo immer öfter für Prügeleien und Randale. © X
Kehrseite in Jesolo: Selbst an den Stränden fanden Schlägereien zwischen Jugendgruppen statt. © Imago
Jesolo – Jesolo, das beliebte Badeörtchen an der Adria unweit von Venedig, kennen viele Deutsche als Urlaubsziel mit langen Sandstränden, Eisdielen und lauen Sommernächten. Doch hinter der Urlaubsidylle brodelt es: Jugendliche Gangs,oft mit Migrationshintergrund – in Italien als „Maranza“ bekannt –, haben in den vergangenen Wochen für Angst und Schrecken gesorgt. Prügeleien am Strand, Überfälle vor Clubs, ein Raub an Minderjährigen – und das fast jedes Wochenende aufs Neue. Jetzt schlägt der Staat zurück.
Wie die Präfektur mitteilt, hat der venezianische Präfekt Darco Pellos die Wiedereinrichtung sogenannter „Zone rosse“ – roter Sicherheitszonen – für Jesolo angeordnet. Die Maßnahme gilt vom 13. Juni bis zum 23. August. Ähnliche Maßnahmen gelten auch für Venedig, Mestre und Chioggia.
In diesen Zonen können Personen, die bereits wegen bestimmter Delikte angezeigt wurden, mit einem Aufenthaltsverbot belegt werden. Verstöße dagegen sind strafbar. Diese Regeln galten bereits über die Osterfeiertage vom 3. bis zum 12. April, wobei gerade in Jesolo zu dieser Zeit auch viele Touristen negativ auffallen. Über Pfingsten wird es üblicherweise noch wilder: „Tutto Gas“ heißt das Feierwochenende, an dem Adria-Urlaubsorte immer wieder schwer in Mitleidenschaft gezogen werden. Laut der Zeitung „La Nuova Venezia“ kommen in den nächsten Tagen rund 50 zusätzliche Polizisten und Militärangehörige nach Jesolo. Schwerpunkte der Kontrollen: Der Bereich der Piazza Casabianca bis zur Piazza Marina, einschließlich des Strandes. Das Gebiet um den Busbahnhof sowie die Piazza Milano, zu der auch die Piazza Torino hinzukommt.
Bereits jetzt wurden bei gezielten und konzentrierten Einsätzen laut Medienberichten 200 Personen identifiziert. Mehrere Minderjährige aus der Region und der Provinz Treviso stehen im Verdacht, an den Schlägereien beteiligt gewesen zu sein. Präfekt Pellos macht klar, wo die Grenze liegt: „Wir können und wollen keine Eskalation zulassen.“ Und weiter: „Wir haben es mit verbreiteten Phänomenen unter jungen Generationen zu tun – diese müssen verstehen, dass solches Verhalten lebenslang negative Spuren hinterlässt.“
Jesolos Bürgermeister Christofer De Zotti wird in einem Facebook-Post weitaus deutlicher. Das sehen die Gäste gern. Wer in die Stadt komme, um die öffentliche Sicherheit und Ruhe zu gefährden, sei „in Jesolo nicht willkommen“. De Zotti kündigt an: „Wir dulden nicht und werden auch in Zukunft nicht dulden, dass jemand glaubt, unsere Ruhe stören zu können und ungestraft davonzukommen. Deshalb fordere ich höchste Strenge und die Ergreifung geeigneter Maßnahmen, damit diese Personen nicht mehr in unsere Gegend zurückkehren können.“
Erwachsene Täter müssen mit einem Verbot, bestimmte städtische Bereiche zu betreten, rechnen. Minderjährige werden über ihre Familien zur Verantwortung gezogen. Strafrechtliche Anzeigen wegen Körperverletzung laufen bereits. Bürgermeister und Präfekt hoffen, dass es dadurch in ihrem Örtchen ruhiger wird. Dass Jesolo mittlerweile ein gemäßigteres Klientel anlocken will, könnte dabei durchaus eine Rolle spielen.MOE