Ein 1,80 Meter langer Wels ist keine Seltenheit. © Pleul/dpa
Berlin – Im vergangenen Sommer hat der größte Süßwasserfisch Deutschlands publizistisch hohe Wellen geschlagen. Medien berichteten über Vorfälle am Brombachsee in Franken, Welse hätten mehrere Schwimmer gebissen. Ein Polizist hat später auf einen der Welse geschossen.
In diesem Jahr ist der Europäische Wels, auch Waller genannt, nun zum „Fisch des Jahres“ gewählt worden. Der Deutsche Angelfischerverband schreibt dazu, die Ernennung des Welses stehe auch für eine sachliche Auseinandersetzung mit der heimischen Fischart. Denn: „In den Medien wird der Wels häufig als gefährlicher Räuber dargestellt und erregt jedes Jahr aufs Neue großes öffentliches Interesse.“
Der Fisch sieht urtümlich aus – mit seinen langen Barteln am Maul und dem lang gestreckten walzenförmigen Körper wirkt er wie aus einer anderen Welt. Die Tiere können bis zu 150 Kilogramm schwer und bis zu drei Meter lang werden.
Robert Arlinghaus ist Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Er sagt, Welse seien grundsätzlich ruhige Zeitgenossen, außer in der Brutzeit. „Welsmännchen handeln wie andere gute Eltern auch, sie verteidigen ihre Nachkommen“, erklärt der Experte. Da sie aber lediglich kleine Bürstenzähnchen hätten, entstünden beim Menschen nur Verletzungen im Minimalbereich. Er betont: „Für Menschen sind Welse nicht gefährlich.“
Die Laichzeit des Welses fällt meist in die Monate Mai und Juni. Das Männchen baut oft ufernah an einer dunklen Stelle ein Nest, etwa unter umgestürzten Bäumen. Danach bewachen sie Eier und Nachkommen in der Regel über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen.
Als wärmeliebende Art profitiert er derzeit von den steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels. In wärmeren Gewässern kann der Wels früher laichen und es überleben mehr Jungfische, erläutert Arlinghaus. Die Folgen der Ausbreitung seien vielschichtig, erklärt der Biologe Alexander Brinker. Der Wels sei eine Art Gesundheitspolizist. So fresse er neben Insekten und Krebsen auch kranke Fische und trage so zur Gewässergesundheit bei. Aber er könne auch andere Fischarten verdrängen.