„Es ist sehr belastend“

von Redaktion

Venezolaner aus München sind nach den schweren Erdbeben in Sorge um ihre Angehörigen

München – Am Donnerstagmittag war es noch schwierig, Kontakt in die Erdbebenregion um La Guaira herzustellen. In der Küstenstadt war die Stromverbindung weitgehend zusammengebrochen. „Wir haben von vielen Familienangehörigen und Freunden noch nichts gehört“, berichtete Martha Lucia Franco-Guarata unserer Zeitung am Mittag. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Venezuela en Baviera“, der Venezolaner und Freunde der venezolanischen Kultur verbindet, insbesondere in München.

„Es ist sehr belastend“, sagte Franco-Guarata. „Wir versuchen ständig, Kontakt zu unseren Angehörigen zu bekommen.“ Immerhin: Ihr Schwager, der in der Hauptstadt Caracas lebt, ist unverletzt. Von zwei Schwägerinnen hat ihre Familie noch nichts gehört. „Wir hoffen, dass alle wohlauf sind.“

Auch Isabela Silva Rodriguez hat um ihre Familie in Venezuela gebangt. Ihr Vater, ihre Mutter und ihre Großeltern leben in dem südamerikanischen Land. Ihr Vater hat das Beben sogar aus nächster Nähe erlebt. In der Nacht des Erdbebens habe sie nur ganz kurz Kontakt zu ihrer Familie gehabt – dann sei wegen des Stromausfalls bis gestern Morgen Funkstille gewesen. Eine schreckliche Nacht, schilderte Silva Rodriguez, die in München lebt. Am Morgen kam schließlich die erlösende Nachricht: Ihre Angehörigen sind nicht verletzt, ihre Mutter ist bei einer Freundin untergekommen.

Wirklich aufatmen kann die junge Frau trotzdem nicht. „Die Situation ist richtig schlimm. Alle haben Angst, dass noch mal etwas kommt, und viele Menschen werden vermisst.“ Auch die Familie ihrer Freundin, die zum Zeitpunkt des Bebens in La Guaira war. Viele Häuser und damit die Lebensgrundlage vieler Menschen sind zerstört. Sie schaue ständig auf ihr Handy, schilderte Silva Rodriguez. Das Beben habe Venezuela und seine Einwohner völlig unvorbereitet getroffen, sagte sie. „Viele wussten nicht, was zu tun ist.“ Auch die Angst vor einem Tsunami sei groß gewesen. Für sie und viele Venezolaner außerhalb des Landes ist die Situation sehr belastend, auch weil die Kommunikation ins Land noch sehr eingeschränkt ist. „Wir brauchen dringend internationale Hilfe“, sagte Silva Rodriguez.L. SCHÜTZ

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