Hitze: Lernen von den Südeuropäern

von Redaktion

Die Sonne scheint hinter einem Thermometer. © Warnack/dpa

Madrid/Rom/Athen – Ohne Hut in praller Sonne unterwegs, zum Frühstück um 11 Uhr das erste Bier, Krebsröte nach unzähligen Stunden am Strand – in der Urlaubssaison staunen Südländer immer wieder über ihre Besucher. Nun aber holt das Wetter auch die Mitte und den Norden Europas ein und die Menschen müssen umdenken. Wie machen es die anderen, im Süden? Und was machen wir falsch?

In Griechenland wurden in den vergangenen Jahren bei Sommerhitze immer wieder tote Touristen beklagt. Unterschätzt werden vor allem Wanderungen in mittäglicher Hitze. Wenn 37 Grad im Schatten herrschen, steigen die Temperaturen in der prallen Sonne durchaus auf 60 Grad. Griechische Ärzte warnen, dass man schnell dehydrieren kann. Die Gefahr eines Hitzschlags ist hoch, besonders für ältere Menschen.

Die Folgen des Hitzschlags: Man wird verwirrt und verliert die Orientierung. Das sorgt besonders in abgelegenen Wanderregionen immer wieder für tödliche Unfälle, weil die Menschen sich verlaufen, es nicht mehr schaffen, telefonisch Hilfe zu rufen und nicht schnell genug gefunden werden.

Die Griechen selbst würden nie auf die Idee kommen, in den heißen Mittagsstunden wandern oder bummeln zu gehen. Mittags legt man sich ins abgedunkelte Zimmer und ruht – am besten, nachdem man mit der Air Condition alles ordentlich runtergekühlt hat. Die Fensterläden bleiben während Hitzewellen rund um die Uhr geschlossen.

In Spanien und Portugal unterläuft Touristen aus Nordeuropa oft derselbe Fehler: Sie unterschätzen extreme Hitze um die 40 Grad und die viel intensivere Sonneneinstrahlung. Das ist gut verständlich nach gefühlt Monaten unter grauem Winterhimmel, kann aber gerade für Kinder und ältere Menschen schnell lebensgefährlich werden.

Immer wieder rücken etwa auf Mallorca Rettungssanitäter aus, um hitzegeschädigte Urlauber zu versorgen. Manche gehen zur heißesten Jahreszeit über Mittag wandern, ohne Wasser und nur mit Schlappen an den Füßen. Wenn sie sich dann auch noch verlaufen, wird es eng. Viele schleichen zudem spätestens nach dem zweiten Urlaubstag krebsrot durch die Gegend, eine Folge von zu wenig Sonnencreme oder einem zu niedrigen Schutzfaktor.

Einheimische hingegen setzen sich morgens bis etwa 10 Uhr an den Strand oder abends ab 18 Uhr. In den sehr heißen Stunden dazwischen gehört der Strand ganz den Urlaubern. Spanier und Portugiesen ziehen sich – wenn möglich – in die Siesta zurück, viele Läden sind geschlossen. Tagsüber sollte man nur leichte Mahlzeiten zu sich nehmen. Für Einheimische steht die Hauptmahlzeit des Tages meist erst ab 21 Uhr an.

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