Tausende liegen unter den Trümmern

von Redaktion

Doppel-Erdbeben mit 7,2 und 7,5 erschüttern Venezuela – Karibikküste am stärksten betroffen

Eine Frau und ihr Kind schauen auf die immensen Schäden, die die Beben angerichtet haben. © Quintero/AFP

Eine Frau tröstet ein Kind in Caracas. © Parra/AFP (2)

Auch der Flughafen der Hauptstadt wurde bei dem Beben beschädigt und wurde vorerst geschlossen. © AFP

Rettungskräfte durchsuchen nach dem Erdbeben die Trümmer eines zerstörten Hauses. © Mattey/dpa

Verletzt, aber am Leben: Polizisten begleiten eine junge Frau aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses. © Barreto/AFP

Caracas – Antonio, hier ist deine Mama, ich bin hier!“ Die verzweifelten Rufe einer Frau schallen über die Trümmer des 22-stöckigen Wohnhauses in Caracas. Das ganze Gebäude ist durch die schweren Erdstöße am Mittwochabend Ortszeit eingestürzt. Hilflos stehen Nachbarn vor den Überresten, während ein Mann auf dem Schutt herumklettert und immer wieder horchend innehält.

Gegen 18 Uhr Ortszeit haben im Abstand von nur 39 Sekunden zwei schwere Erdstöße der Stärke 7,2 und 7,5 Venezuela erschüttert. Dutzende Gebäude sind eingestürzt oder schwer beschädigt. Die Menschen verbringen die Nacht im Freien, während es laut Interims-Präsidentin Delcy Rodríguez rund 20 Nachbeben gibt. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte ist das zweite Beben mit einer Stärke von 7,5 das stärkste in dem südamerikanischen Land seit mehr als 125 Jahren. Die Zahl der Toten lag am Mittag bei über 160, die der Verletzten bei rund 1000. Unterdessen schätzte die US-Erdbebenwarte die Zahl der möglichen Todesopfer auf 10.000 bis 100.000 Menschen.

In Caracas, äußert sich die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez später im staatlichen Fernsehen zu der Katastrophe. Ihre Worte lassen Schlimmes erahnen: „Es sind intensive Rettungsarbeiten zugange, um die Leben zu retten, die Gott uns retten lässt“, sagt sie. Und ergänzt: „Ich bitte Gott um Erleuchtung und dass er uns weiter beschützt.“

Bilder aus der Hauptstadt, die malerisch am Fuße des Berges Ávila in rund 900 Metern Höhe liegt, zeigen Hochhäuser, die in sich zusammengesackt sind, als hätte sie von oben eine riesige Hand zerdrückt. „Bei uns in der Nähe sind zwei Hochhäuser eingestürzt, am Nachbargebäude fehlen Wände“, berichtet eine 57 Jahre alte Anwohnerin. Sie wohnt im Osten der Millionenmetropole, wo es schon 1967 bei einem Erdbeben der Stärke 6,5 schwere Schäden gegeben hatte.

„Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt. Es war fürchterlich“, ergänzt die Frau. In ihrer Wohnung seien Möbel umgestürzt und Bilder von den Wänden gefallen, alles sei voller Scherben. Die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass sie und ihr Mann zunächst gar nicht aus der Wohnung gekommen seien. Zusammen mit Nachbarn seien sie dann schließlich auf die Straße gerannt. Im nahe gelegenen Wohnviertel La Castellana ist María Romero aus ihrer Wohnung geflüchtet. „Es wackelte wie wild und es klang wie ein dumpfes Grollen“, erzählt die 48-Jährige. „Eine Sekunde lang habe ich überlegt, mich unter den Tisch zu verkriechen, aber dann bin ich lieber schnell rausgerannt.“ Am schlimmsten trafen die Beben nach Angaben der Regierung aber den Bundesstaat La Guaira an der Karibikküste, wo sich neben dem internationalen Flughafen auch der wichtigste Seehafen Venezuelas befindet. Dutzende Gebäude seien in der bei Touristen beliebten Region eingestürzt, sagte Präsidentin Rodríguez. Es sei nun ein Katastrophengebiet.

In der Küstenstadt Catia la Mar in der besonders betroffenen Region La Guaira steht Larry Rojas fassungslos vor den Überresten seines eingestürzten Hauses. „Wir haben nichts, wir haben gar nichts mehr – nicht einmal die Kraft, da reinzugehen“, sagt der 49-Jährige.

Vor der Ruine eines zwölfstöckigen Gebäudes steht eine Frau und wartet auf Nachricht von ihrer Tochter. „Da drinnen sind Menschen, und niemand kommt, um sie zu retten“, klagt sie. Afp-Reporter beobachteten die ersten Plünderungen.

Zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, haben Venezuela bereits Hilfe angeboten. Die USA kündigten die sofortige Entsendung von Rettungskräften und Hilfsgütern an. Nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius steht die Bundeswehr mit sechs Transportflugzeugen A400M bereit. Das Auswärtige Amt versprach Hilfsgüter, wie Wasserfilter, Feldbetten, Zelte oder Generatoren.

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