Bluttat von Stade: Vater soll Baby geschüttelt haben

von Redaktion

Blumen liegen nahe des Tatorts in Stade. © Moorschlat/dpa

Stade – Sie gingen ihrem Job nach – und wurden dabei erschossen. Nach der Tötung von vier Frauen und zwei Männern in einer Mutter-Kind-Wohngruppe im niedersächsischen Stade ist die Trauer groß. Neben Beschäftigten der Einrichtung wurden drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover getötet.

Nach Informationen von NDR und WDR war für den Montag ein sogenanntes „Hilfeplangespräch“ in der Einrichtung angesetzt, die auch als Mutter-Kind-Heim fungiert. Da der Mann als auffällig bekannt war, sollte das Gespräch in großer Runde stattfinden – mit Mitarbeitern der Einrichtung sowie Vertretern des Jugendamts Hannover, das in der Einrichtung mehrere Plätze belegt. Die drei Monate alte Tochter des Mannes war zuvor aus der Familie geholt worden, durfte unter Auflagen aber wieder zur Mutter – allerdings nicht nach Hause, sondern ausschließlich im betreuten Umfeld der Stader Einrichtung. Laut „Spiegel“ soll der Tatverdächtige das Kind zuvor geschüttelt haben; ein Arzt habe entsprechende Verletzungen festgestellt. Das Amtsgericht Neustadt am Rübenberge hatte in dem Sorgerechtsstreit demnach bereits zweimal entschieden, zuletzt am 20. Mai.

Doch dann fielen am Montag um die Mittagszeit plötzlich die Schüsse. Der 45 Jahre alte mutmaßliche Täter ist in Polizeigewahrsam. Gestern Abend erließ das Amtsgericht Stade Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes.

Berichte, nach denen der 45-Jährige Mitglied eines Clans sein soll, bestätigten die Ermittler nicht. „Wir haben derzeit keine Hinweise dafür, dass eine Clanzugehörigkeit besteht“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft der dpa auf Anfrage.

Die Polizei hatte den tatverdächtigen Türken kurz nach der Tat festgenommen. Er versuchte mit einem Auto zu fliehen, das eine 65-Jährige fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Wagens. Nach derzeitigem Erkenntnisstand hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen. Auch sie wurde nach Behördenangaben von der Polizei vernommen. Gestern Abend wurde indes bekannt, dass die 65-Jährige aus dem Gewahrsam entlassen wurde, ebenso wie eine zweite Frau. Für beide sei kein Antrag auf Untersuchungshaft gestellt worden, teilte das Amtsgericht mit.

Die Tat sorgt für große Bestürzung. Immer wieder kommen Menschen und legen in der Nähe des Tatortes Blumen ab oder stellen im Gedenken an die Opfer Kerzen auf. Die Straße soll voraussichtlich den gesamten Dienstag gesperrt bleiben.H. HOFFMANN, C. MUSCHIOL

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