Prunk wie im Märchen
Der Sultan von Brunei wird 80 – Er besitzt allein über 7000 Autos
Autonarr: Der Regent besitzt rund 600 Rolls-Royce. © IMAGO
Sein Palast ist der größte der ganzen Welt. © Thian/dpa
Der Herrscher und die Königin von Brunei. © Hussain/dpa
Hassanal Bolkiah galt lange als reichster Mann der Welt – bis die Tech-Milliardäre kamen. © Marchi/IMAGO
Bandar Seri Begawan – Vergoldete Kuppeln, tausende Luxusautos und ein Palast, der größer ist als manches Dorf: Kaum ein Herrscher verkörpert märchenhaften Reichtum à la 1001 Nacht so sehr wie Sultan Hassanal Bolkiah von Brunei. Seit fast sechs Jahrzehnten herrscht er nahezu uneingeschränkt und absolut über ein Land, das kleiner ist als Schleswig-Holstein, aber auf einem Schatz aus Rohstoffen sitzt: Der Zwergstaat ist einer der größten Ölproduzenten Südostasiens und einer der weltweit wichtigsten Exporteure von Flüssigerdgas.
Wenn der Monarch am kommenden Mittwoch 80 Jahre alt wird, verwandelt sich das kleine Sultanat auf der Insel Borneo mit seinen rund 450.000 Einwohnern tagelang in eine einzige Festkulisse. Gelbe Nationalflaggen mit schwarzem und weißem Streifen säumen die Straßen, riesige Porträts des Herrschers schmücken Gebäude, Schulen und Behörden. Alljährlich gibt es zu seinen Ehren zudem eine große Parade in der Hauptstadt Bandar Seri Begawan.
Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten ist eine Reise des Monarchen durch alle vier Landesteile. Dabei trifft er Bürger persönlich, nimmt Briefe entgegen und posiert für Fotos. Der Sultan ist beliebt – kein Wunder: Privatpersonen zahlen keine Steuern, auch bietet das steinreiche Land seinen Bürgern kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung sowie umfangreiche staatliche Subventionen.
Doch es gibt eine Kehrseite: Als einer der letzten absoluten Monarchen der Welt gehört Bolkiah zu einer aussterbenden Spezies: Er ist Staatsoberhaupt, Premierminister, Finanz-, Außen und Verteidigungsminister sowie der Hüter der islamischen Staatsreligion in Personalunion.
Auf Grundlage eines seit 1962 geltenden Ausnahmezustands, der regelmäßig verlängert wird, erlässt er Gesetze per Dekret. Demokratische Strukturen oder Wahlen existieren nicht. Auch die Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt. „Seine Majestät der Sultan kann weder in seiner persönlichen noch in seiner offiziellen Funktion etwas Falsches tun“ – diesen vielsagenden Satz ließ er in die Verfassung aufnehmen. Sprich: Jede Kritik an ihm wird streng geahndet. Viele Bürger akzeptieren das System aber wegen des hohen Lebensstandards.
Berühmt ist der Sultan allerdings weniger wegen seiner Politik als wegen seines sagenhaften Reichtums. Lange galt er als reichster Mann der Welt, bevor Tech-Milliardäre wie Bill Gates und Elon Musk ihn von der Spitze der Rangliste verdrängten. Bis heute ist er aber mit einem geschätzten Vermögen von etwa 30 Milliarden US-Dollar (rund 26 Milliarden Euro) einer der wohlhabendsten Royals weltweit. Seine Sammlung von etwa 7000 Prestigeautos – darunter Schätzungen zufolge 600 Rolls-Royce und 450 Ferraris – gilt als die größte der Welt. Damit hat er es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Die Luxuskarossen allein sollen mehr als fünf Milliarden Dollar wert sein. Um sie gebührend benutzen zu können, ließ Bolkiah auf dem Palastgelände eine Rennstrecke bauen.
Apropos Palast: Der Istana Nurul Iman ist der offizielle Sitz des Sultans – und gilt mit einer Fläche von 200.000 Quadratmetern als der größte Wohnpalast der Welt. Zum Vergleich: Das ist in etwa die halbe Fläche des Vatikanstaats.
Es gibt 1788 Zimmer, mehr als 250 Bäder und eine Kuppel aus 22-karätigem Gold. Auch an den Fenster- und Türbögen wurde an purem Edelmetall nicht gespart. Hier ist alles Gold, was glänzt. An den Wänden hängt unter anderem ein Bild des französischen Impressionisten Auguste Renoir, für das der Sultan 70 Millionen Dollar bezahlt haben soll.
International geriet Brunei (mit offiziellem Namen Brunei Darussalam – Letzteres bedeutet „Ort des Friedens“) vor einigen Jahren wegen seines strengen islamischen Strafrechts in die Kritik. Die 2014 schrittweise eingeführte Scharia wurde 2019 noch einmal verschärft.
Sie sieht drakonische Strafen vor – unter anderem Steinigung für Ehebruch und homosexuelle Handlungen sowie Amputationen für Diebstahl. Nach weltweiten Protesten und Boykottaufrufen gegen Hotels der Herrscherfamilie erklärte der Sultan schließlich, dass das seit Jahrzehnten geltende Moratorium für die Todesstrafe auch für die meisten Scharia-Urteile gelte. Tatsächlich wurde in Brunei seit 1957 niemand mehr hingerichtet.
Trotz der internationalen Kritik an Bruneis autoritärem System ist der Sultan im Ausland ein oft und zumeist gern gesehener Gast. Noch im Mai besuchte er auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Berlin.
Während in Bandar Seri Begawan die Geburtstagsfeierlichkeiten steigen, bleibt Hassanal Bolkiah – der zwölf Kinder aus drei Ehen hat – für viele im Westen aber eine schwer greifbare Figur: Der dienstälteste Herrscher der Welt schwankt irgendwo zwischen mittelalterlich anmutendem Absolutismus und modernem Staatskapitalismus. GENEVIEVE TAN SHU THUNG