Inferno im Urlaubsparadies
Todesfalle bei Waldbrand in Andalusien: Menschen verbrennen in ihren Autos
Feuerwehrler versuchen, das Flammenmeer auf einer Fläche von 3000 Hektar zu bekämpfen.
Der Brand in Los Gallardos, gesehen vom Hafen von Garrucha aus. Der Waldbrand gilt als der bislang schwerste in Andalusien. Auch Wasserflugzeuge sind im Einsatz. © dpa
Los Gallardos – Sie wollten noch mit ihren Autos flüchten: Doch die verheerenden Flammen versperrten ihnen den Weg. Mindestens elf Menschen sind bei einem gigantischen Waldbrand unweit beliebter Mittelmeer-Strände im Süden Spaniens ums Leben gekommen. Nach Angaben der Regionalregierung von Andalusien werden im Gebiet um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar in Andalusien noch bis zu 23 Menschen vermisst. Der TV-Sender RTVE sprach vom „tödlichsten Waldbrand des 21. Jahrhunderts“ im beliebten Urlaubsland.
Die Opfer erlebten wohl ein schreckliches Ende: Vier seien in einem Fahrzeug, sieben andere auf den Straßen von den Flammen eingeschlossen worden und verbrannt, hieß es. Es handelt sich laut Behörden um Personen, die vor den Flammen fliehen wollten, dabei jedoch eine falsche Fluchtroute gewählt hätten.
Aufgrund verschiedener Indizien vermute man, dass unter den Toten Ausländer seien, möglicherweise Briten und Belgier, aber man müsse die Identifizierung der Opfer abwarten, erklärte der regionale Gesundheitsminister Antonio Sanz. Als Ursache des Brandes wird der Einsturz einer Stromleitung vermutet. Auf Videos, die von Medien veröffentlicht wurden, hört man Menschen verzweifelt schreien: „Was für ein Horror, was für ein Horror!“, „Das Feuer ist ganz in der Nähe!“ und „Häuser brennen!“. Der Bürgermeister der Ortschaft Antas, Pedro Ridao, sagte, man habe eine „Schreckensnacht“ erlebt. Anwohner sprachen von einem „Inferno“ und einem „Albtraum“.
Neben den elf Todesopfern gab es nach einer vorläufigen Bilanz der Regionalregierung acht Verletzte, vier davon schwer. Minister Sanz sprach von einer „beispiellosen Tragödie“ – es sei der Waldbrand „mit den bislang schwersten Folgen“ in Andalusien. „Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen.“ Auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez brachte seine „große Trauer und Bestürzung angesichts der schrecklichen Folgen des Brandes“ zum Ausdruck. Das Königshaus von Monarch Felipe VI. schrieb: „Tief betroffen über die Tragödie des Waldbrandes von Los Gallardos (…). Wir sprechen den Familien und Angehörigen der Todesopfer sowie allen Betroffenen unser Mitgefühl und unsere tiefe Anteilnahme aus.“ Mehr als 1000 Menschen mehrerer Ortschaften wurden evakuiert und in Notzelte in benachbarten Orten wie Mojácar gebracht.
Auch ein Campingplatz wurde vorsorglich geräumt. 400 teils ältere Menschen seien an sichere Orte gebracht worden. „Durch die Evakuierungen wurden viele Menschenleben gerettet“, sagte Sanz. Bis Freitag erfassten die Flammen laut Behörden mehr als 3000 Hektar. Auf TV-Bildern war zu erahnen, wie gewaltig das Feuer sein muss: Über der wald- und hügelreichen Gegend zeichneten sich die orangefarbenen Flammen in großer Breite ab.
Experten beklagten unterdessen erneut mangelnde Präventionsmaßnahmen. Sie sprechen von einer vermeidbaren Tragödie. „Es ist wie ein ewiges Déjà-vu. Jedes Jahr fordern wir mehr Vorsorgemaßnahmen“, sagte Waldbrandbekämpfer Román García in RTVE. Solche Brände würden durch den Klimawandel und die globale Erwärmung begünstigt. Die zunehmende Trockenheit und der Feuchtigkeitsmangel machten Wälder und Buschland zu leicht entzündlichem Brennstoff und begünstigten die rasche Ausbreitung der Feuer.