Ein Kutschpferd in Rom: Nach dem Kollaps eines Tieres wird über das Ende der Droschken diskutiert. © M.Bihlmayer/PA
Rom – Bilder eines zusammengebrochenen Pferdes in Rom haben eine neue Debatte über traditionelle Pferdekutschen angeheizt. Ist die Attraktion angesichts von Hitzewellen und Autoverkehr noch zeitgemäß? „Beendet diesen Quatsch!“, „Hört auf, Tiere so zu quälen!“, „Ist der Tourismus das wert?!“ – Der Aufschrei in Sozialen Medien war groß, als Anfang Juli Videos aus Rom viral gingen von einem Kutschpferd, das in der Hitze zusammengebrochen war. Die Debatte über traditionelle Pferdekutschen ist wieder entfacht. Dabei haben manche Großstädte längst umgesattelt. Hier ein Blick auf den Umgang mit Fuhrwerken, Droschken, Kaleschen und Fiakern.
In Rom schwelt der Streit um die Pferdekutschen – „botticelle“ genannt – seit Jahren. Derzeit verfügen noch 16 Kutscher über eine Lizenz für touristische Pferdekutschen – vor rund zehn Jahren waren es noch knapp 40. Die Stadt versucht, die verbliebenen Fahrer mit Angeboten für Taxi- oder E-Taxi-Lizenzen zum Umstieg zu bewegen. Viele Kutscher lehnen dies jedoch ab und verweisen darauf, dass das Geschäft mit Kutschfahrten für Touristen lukrativer sei – oder zögern den Umstieg zu besseren Konditionen hinaus. Wegen des jüngst zusammengebrochenen Pferdes auf einer Brücke über den Tiber fordern Tierschützer hingegen ein vollständiges Verbot.
In Wien gehören die etwa 150 Kutschen – Fiaker genannt – zum Stadtbild. Die Regelungen für die Attraktion sind vor einigen Jahren verschärft worden. Die bei Touristen sehr beliebten Fiaker dürfen nur zwischen 11 und 22 Uhr verkehren. Jedes Tier darf höchstens 18 Tage im Monat eingesetzt werden. Der gesundheitliche Zustand der insgesamt rund 300 Fiaker-Pferde wird streng kontrolliert. Es gibt ab 35 Grad hitzefrei für die Pferde.
In Prag sind Fahrten mit der Pferdekutsche im Stadtzentrum seit 2023 überholt. Die Stadtverwaltung setzte ein Verbot durch mit dem Argument, dass diese Art der Pferdenutzung für die Tiere unzumutbar sei.
Auch in Spanien sind die Tage vieler Pferdekutschen gezählt. Auf Mallorca hat die Gemeinde Alcúdia bereits 2025 komplett auf Elektrokutschen umgestellt. Auch die Inselhauptstadt Palma plant den Umstieg auf tier- und emissionsfreie Elektrokutschen. In anderen touristischen Hochburgen Spaniens wie Barcelona, Madrid oder Málaga gehören klassische Pferdekutschen der Vergangenheit an. Stattdessen gibt es dort elektrische Tuk-Tuks. Die andalusische Hauptstadt Sevilla hingegen, wo es im Sommer besonders heiß wird, will aus Traditionsgründen an den Pferdekutschen festhalten. Erst ab der höchsten Warnstufe Rot, die im heißen Andalusien erst ab 44 Grad gilt, müssen die Kutscher pausieren.
Auf Kreta fordert der griechische Tierschutzbund PFPO bei den Behörden mehr Schutz für die Kutschpferde im alten venezianischen Hafen der Stadt Chania. Es solle stärkere Kontrollen bei Hitzewellen geben.