Comeback von Diddl, Lavalampe & Co.

von Redaktion

Nostalgie im Trend: Die Nachfrage nach Retro-Artikeln steigt bei Jung und Alt

Auch Plattenspieler sind wieder gefragt. © Houin/IMAGO

Beliebte Retro-Beleuchtung: die Lavalampe. © Imago

Das Tamagotchi war ab 1997 sehr populär. © dpa

Die Diddl-Maus ist wieder da: Preise für solche Produkte waren im Internet um über 300 Prozent gestiegen. Jetzt ist sie wieder im Handel. © Jann/dpa

Hamburg – Die Diddl-Maus ist zurück: Begleitet wird das Comeback von einer Nostalgiewelle um Produkte der 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Wie eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov im Auftrag der Online-Plattform „Kleinanzeigen“ ergab, sind die Preise für Diddl-Sammelblöcke im Vergleich zu 2021 um 357 Prozent gestiegen. Den Angaben zufolge haben die Suchanfragen um mehr als 70 Prozent zugenommen.

Doch der Trend geht weit über die Maus hinaus. Auch Retro-Deko, wie die LavalLampe, Digitalkameras und das Elektronikspielzeug Tamagotchi erfreuen sich wieder großer Beliebtheit – wie auch andere Technik-Produkte. Laut Kleinanzeigen stiegen die Suchanfragen nach iPods um 65 Prozent, nach CD-Playern um 68 Prozent und nach Vinyl-Plattenspielern um 70 Prozent. Bei eBay legte die Zahl der verkauften Game Boys innerhalb von drei Jahren um rund 25 Prozent zu, Walkmans verzeichneten einen Verkaufszuwachs von etwa 15 Prozent. Pokémon-Karten wurden auf eBay 2025 im Durchschnitt mehr als 300-mal pro Minute gesucht. Und auf der Auktionsplattform Catawiki haben sich die Käufe von Disney-Sammlerstücken in Deutschland 2025 nahezu verdoppelt – ein Plus von 99 Prozent. A

Was früher als altmodisch galt, wird zum begehrten Retro-Schatz – und manchmal sogar teurer gehandelt als beim ursprünglichen Kauf. Das gilt auch für die Maus. Für Stofffiguren werden im Netz Preise bis zu tausend Euro verlangt.

Diddl-Produkte sind gestern nach langer Pause wieder in den Handel gekommen. Die Diddl-Maus ist eine Cartoonfigur von Erfinder Thomas Goletz aus Hamburg. Die Produktion war 2014 eingestellt worden. Typisch sind große Ohren, klobige Füße und eine Latzhose. In den 1990er- und 2000er-Jahren waren Diddl-Produkte in Deutschland begehrte Sammel- und Tauschobjekte, besonders unter Schulkindern.

Warum aber gerade jetzt die Sehnsucht nach Diddl, Tamagotchi und Co.? Die Nostalgieforschung liefert dafür einige Erklärungen. Eine große wissenschaftliche Übersichtsarbeit der Nostalgie-Forscher Constantine Sedikides und Tim Wildschut kommt zu dem Ergebnis, dass Nostalgiemehrere psychologische Funktionen hat: Sie stärkt das Gefühl, mit der eigenen Vergangenheit verbunden zu sein, fördert soziale Verbundenheit und kann den Eindruck von Lebenssinn stärken. Nostalgische Erinnerungen sind dabei meist überwiegend positiv.

Dass Krisen nostalgische Gefühle verstärken können, ist ebenfalls wissenschaftlich belegt. Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte die Suchanfragen nach nostalgischer Musik auf Douyin, der chinesischen Version von TikTok. Die Forscher analysierten wöchentliche Daten von Anfang 2019 bis Anfang 2021 und stellten nach Beginn der Corona-Pandemie einen sofortigen und statistisch signifikanten Anstieg der nostalgischen Nutzung fest. Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass Menschen in Krisenzeiten verstärkt auf vertraute Inhalte zurückgreifen wollen.

Hinzu kommt zum Run auf die Retro-Waren natürlich ein Generationeneffekt: Die Kinder der 1990er und frühen 2000er sind inzwischen erwachsen und verfügen über eigene Kaufkraft. Gleichzeitig entdecken Jüngere die Produkte ihrer Eltern zunehmend wieder über TikTok und Instagram – auch wenn sie selbst damals noch gar nicht auf der Welt waren.

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