Deutsche nehmen zu oft Antibiotika. © Skolimowska/dpa
London – Antibiotika werden zur Behandlung von Krankheiten weltweit nicht optimal eingesetzt. So würden einfache Mittel für häufige bakterielle Infektionen zu wenig genutzt, heißt es in einer Studie im Fachjournal „The Lancet Public Health“. Andererseits erhielten gerade in ärmeren Ländern Patienten oft nicht die letzten Mittel, die bei schweren Infektionen nötig sind.
Das Forschungsteam um Aislinn Cook von der City St George’s University of London orientierte sich an den drei Kategorien, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2017 eingeführt hat: einfache Mittel für häufige Infektionen (Access), speziellere mit höherem Resistenzrisiko für Antibiotikaresistenzen (Watch) und letzte Mittel bei schweren Infektionen durch multiresistente Erreger (Reserve).
Die Forscher nutzten verschiedene Datenbanken, um die Antibiotikanutzung in 186 Ländern und Territorien zu erheben. Die aus vielen Ländern fehlenden Daten wurden durch Modellrechnungen ergänzt. Cook und Kollegen ermittelten auf diese Weise Staaten, die eine geringe Sterblichkeit durch Infektionen und einen geringen Antibiotikagebrauch aufweisen und deren Daten als Orientierungswerte dienen können. Für das Cluster der wohlhabendsten Länder war dies die Schweiz, für die übrigen Staaten Marokko.
Im Vergleich zu diesen Orientierungsstaaten nutzten die meisten Länder zu viele „Watch“-Antibiotika aus der mittleren Kategorie – von 67 untersuchten Ländern, für die umfangreichere Daten vorlagen, waren es 66 Staaten, darunter auch Deutschland.