Chicago – Wer sein Leben mit einem Partner verbringt, teilt nicht nur Zuhause, Erinnerungen und den Alltag. Eine neue Langzeitstudie warnt nun davor, dass Ehepaare eine weitere Sache miteinander teilen: ein erhöhtes Demenzrisiko.
Für die Studie werteten die Forscher Daten von 955.105 Menschen aus der taiwanesischen National Health Insurance Research Database aus den Jahren 1998 bis 2022 aus. Verglichen wurden Ehepartner von neu an Demenz Erkrankten mit einer passenden Kontrollgruppe. Die Ergebnisse fielen deutlich aus: Frauen mit einem demenzkranken Ehemann hatten ein 74 Prozent höheres Risiko, selbst zu erkranken. Bei Männern mit einer dementen Ehefrau erhöhte sich das Risiko um 69 Prozent. Der Zusammenhang zeigte sich sowohl bei Alzheimer als auch bei vaskulärer Demenz.
Die Studie macht im Fazit allerdings klar, dass Demenz nicht etwa im herkömmlichen Sinne ansteckend ist. Die Forscher vermuten vielmehr gemeinsame Lebensgewohnheiten als Ursachen. So ernähren sich Ehepartner oft ähnlich, und sind denselben Umwelt- und Alltagsfaktoren ausgesetzt. Hinzu kommt die enorme Belastung, einen demenzkranken Partner über Jahre zu pflegen. Schlafmangel, Depressionen und soziale Isolation könnten das Gehirn belasten.
Die im Juli 2026 im Fachjournal „JAMA Open Network“ veröffentlichte Studie ist die bislang größte Untersuchung zur sogenannten Ehepartner-Demenz-Konkordanz. Die Forscher empfehlen, dass Familien und Ärzte die gesunden Partner nach einer Demenzdiagnose des anderen besonders engmaschig auf eigene Symptome überwachen.CHRISTIAN THIELE