Blick zurück: So sah Hitlers Geburtshaus um 1935 aus.
Neubeginn: Dass in diesem Gebäude ein Massenmörder und Diktator geboren wurde – daran soll künftig nur noch diese Gedenktafel erinnern. © Kneffel/dpa, imago
Braunau – Das Geburtshaus Adolf Hitlers im österreichischen Braunau ist nun ein Polizeizentrum. Mit der neuen Nutzung will die Republik Österreich verhindern, dass das Gebäude an der Grenze zu Bayern weiter als Anziehungspunkt für Neonazis dient. Der Umbau dauerte mehrere Jahre und kostete rund 20 Millionen Euro.
In dem Haus wurde Hitler am 20. April 1889 geboren. Seine Familie zog allerdings schon nach wenigen Monaten in ein anderes Quartier in Braunau, bevor sie – ebenfalls vorübergehend – in Passau heimisch wurde. Das Areal samt Nebengebäude und Innenhof umfasst rund 3000 Quadratmeter. Es war lange in Privatbesitz. Jetzt werden Beamte des Bezirkspolizeikommandos und der Polizeiinspektion hier Dienst tun.
Bis 2011 war unter anderem eine Behindertenwerkstätte dort untergebracht. Einem nötigen Umbau wegen neuer Anforderungen stimmte die Besitzerin nicht zu. Nach einem Rechtsstreit wurde das Areal 2017 enteignet. Eine Expertenkommission sprach sich gegen einen Abriss und gegen ein Museum aus, sondern für eine Umgestaltung ohne hohen Wiedererkennungswert. Das Haus soll damit unattraktiv für die rechtsextreme Szene sein. Aus Furcht vor NS-Devotionalien-Sammlern wurde die Baustelle überwacht, der Bauschutt vor Ort geschreddert und mit anderem Material vermischt.
Der Geburtsort des späteren Diktators lockte auch in der jüngeren Vergangenheit Gruppen aus dem rechtsextremen Umfeld an. Ein Vorfall wurde zum Beispiel am 20. April 2024 verzeichnet, als zwei deutsche Pärchen in den Fensternischen Blumen abgelegt und für Fotos posiert haben sollen. Eine Frau soll den Hitlergruß gezeigt haben. 2021 soll ein damals 57-Jähriger aus Berlin vor dem Geburtshaus einen Kranz abgelegt haben. Das Problem aus Sicht des Staates sind weniger die offenkundigen Vorfälle, sondern die unerkannten Neonazis, die zu diesem Ort pilgerten.
Abgesehen davon, dass das Gebäude jetzt ganz anders aussieht als zu Hitlers Lebzeiten, ist die Nutzung als Polizeiwache aus Sicht des Staates vorteilhaft. Das Gebäude ist videoüberwacht. Die Polizei könnte sofort zur Stelle sein, um verdächtig wirkende Neugierige zu überprüfen.
Einige Experten hatten sich an diesem Ort eine offensive Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit und ihren Verbrechen gewünscht. Auch jetzt noch besteht der Wunsch, dass zumindest eine mehrsprachige Info-Tafel nahe dem Gebäude für Aufklärung sorgt. Ob dies umgesetzt wird, blieb zunächst unklar. Zurzeit erinnert allein ein 1989 aufgestellter Gedenkstein vor dem Haus – aus dem Steinbruch des Konzentrationslagers Mauthausen – an den Terror der Nazi-Jahre: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie – Nie wieder Faschismus – Millionen Tote mahnen“.
Hitler hatte den Zweiten Weltkrieg entfesselt, in dem mindestens 60 Millionen Menschen starben. Im Holocaust wurden zudem rund sechs Millionen Juden ermordet.MM