Flammen verschlingen Südeuropa

von Redaktion

Die Löschkapazitäten der EU sind fast erschöpft. © Da Silva/dpa, Fernandez/dpa

Ausnahmezustand: Spanien, Frankreich und Portugal kämpfen gegen die Brände.

Bordeaux/Madrid/Lissabon – In Spanien wütet der größte Waldbrand in der jüngeren Geschichte des Landes. In Frankreich erreichen die Feuer mit etwa 100.000 Hektar verbrannter Fläche seit Jahresbeginn einen historischen Rekordwert. Und nun breiten sich auch in Portugal die Flammen aus: Die größten Brände wüten nach Angaben der Behörden bei Braga und Bragança im Norden sowie bei Santarém im Zentrum des Landes. Am Dienstag waren Temperaturen von bis zu 39 Grad vorhergesagt. Fast im gesamten Land galt wegen der hohen Temperaturen die maximale oder eine sehr hohe Brandgefahr. 300.000 Menschen mussten in den betroffenen Gebieten Südeuropas bislang ihre Häuser verlassen.

Die Brände stellen schon jetzt die europäischen Kapazitäten zur Katastrophenhilfe auf die Probe. EU-Kommissarin Hadja Lahbib sagte, dass die Einsatzkapazitäten zunehmend erschöpft seien. Es stehe zu befürchten, dass die Einsatzkräfte bald andernorts gebraucht würden. Ungarn, der Slowakei und Tschechien stünden „extreme Bedingungen bevor“.

Dabei ist die Waldbrandsaison noch lange nicht vorbei – im Gegenteil, eigentlich geht sie im August erst so richtig los. Am Dienstag begann zudem eine neue Hitzewelle. In Spanien blickten die Menschen bang auf das Thermometer. Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte, der gestrige Dienstag sei ein „absolut entscheidender“ Tag. Ab dem heutigen Mittwoch würden die Wettervorhersagen für die Brandbekämpfung „äußerst ungünstig“.

Dem spanischen Wetterdienst Aemet zufolge steigt die Brandgefahr ab Dienstag fast im gesamten Land auf ein sehr hohes oder extremes Niveau. „Diese Situation wird in den folgenden Tagen anhalten oder sich sogar verschlimmern.“ In Teilen des Landes wurden Temperaturen von 40 Grad erwartet. Angesichts der Prognose rief Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez „alle Bürger im ganzen Land dazu auf, äußerste Vorsicht walten zu lassen und alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen“.

Die Flammen zwangen bislang rund 79.000 Menschen in Spanien zur Flucht. Weitere 30.000 Bewohner wurden angewiesen, in ihren Häusern zu bleiben. Die Waldbrände treffen vor allem die Provinz Ávila westlich von Madrid sowie die benachbarten Regionen Madrid und Toledo. Dort verwüsteten die Flammen zusammen bisher knapp 80.000 Hektar Wald- und Buschland. Allein in Ávila wurde nach amtlichen Schätzungen eine Fläche von knapp 50.000 Hektar zerstört – fast die Fläche des Bodensees.

Rund 90.000 Menschen waren zuletzt rund um die spanische Hauptstadt von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen. In einer Sporthalle unweit von Madrid waren viele der Evakuierten auf Feldbetten untergebracht.

Im Südwesten Frankreichs war die Lage nach Angaben der Behörden nach einer „ruhigen“ Nacht am Dienstagmorgen „stabil“. Mehrere Brandentwicklungen nördlich von Le Porge und Cap-Ferret konnten „dank des Einsatzes der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht werden“, erklärte die zuständige Präfektur in der Gironde. Helfer waren damit beschäftigt, „Brandschneisen zu schlagen, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern“. Demnach erstreckten sich die „taktischen Schneisen“ bereits über eine Länge von mehr als 103 Kilometern. Teilweise gesperrt blieben die Autobahn 63 und Bahnstrecken in der Region.

Mit Sorge blickten die Einsatzkräfte jedoch auf die Wettervorhersage: Die Temperaturen sollen am heutigen Mittwoch ihren Höhepunkt erreichen mit Spitzenwerten von 40 Grad. Der französische Wetterdienst prognostiziert zudem auffrischende Südostwinde. Die Kombination könnte die Flammen erneut anfachen.

Rund 15.000 evakuierte Menschen konnten am Dienstag in Bordeaux in ihre Häuser zurückkehren. Für etwa 4000 Touristen im Badeort Lacanau in der Gironde wurde jedoch eine neue Evakuierungsaufforderung herausgegeben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von „harten Wochen“, die auf die Menschen zukämen. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer der Gironde, Patrick Seguin, erklärte der „Bild“-Zeitung zufolge: „Der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen, die Saison ist vorbei.“

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