Meghan, Herzogin von Sussex und ihr Mann, Prinz Harry: Sie spalteten das britische Königshaus. © Milligan/dpa
London – Die einen nannten sie „Duchess Difficult“, die anderen sprachen von einem „Hurricane Meghan“. Von einer „skrupellosen, auf sozialen Aufstieg ausgerichteten Schauspielerin“ war gar die Rede. Es sind harsche Worte über Herzogin Meghan, die sich in den Archiven britischer Boulevardmedien finden. Dabei habe sie alles getan, um die königliche Familie stolz zu machen, erzählt die Frau von Prinz Harry (41), die am kommenden Dienstag 45 Jahre alt wird, vor Jahren in einer Netflix-Doku. Doch auch das habe nicht gereicht.
Vor mehr als sechs Jahren kehrten Harry und Meghan der britischen Königsfamilie den Rücken und verursachten damit eines der folgenreichsten Zerwürfnisse der jüngeren Geschichte der Royals. Ein Schritt, den viele in Großbritannien den beiden, allen voran der US-Amerikanerin, nie so richtig verziehen haben.
Kaum ein (Ex-)Royal polarisiert so wie sie: Seit ihrem royalen Abgang loben die einen Meghan für ihren Mut, andere halten ihre Art für aufgesetzt und warten nur auf die nächste Gelegenheit eines Shitstorms.
Dabei fing alles wie ein romantisches Märchen an: 2017 verkündete Harry die Verlobung mit der schönen und erfolgreichen Schauspielerin, wenige Monate später kam es zur Hochzeit. 2019 kam Söhnchen Archie auf die Welt, doch schon im Januar 2020 brach die heile royale Welt zusammen. Heute leben die beiden mit dem siebenjährigen Sohn und Tochter Lilibet (5) in den USA.
In Großbritannien wird die 44-Jährige oft für den Rückzug des jüngeren Sohns von König Charles III. (77) aus der Familie verantwortlich gemacht – ohne sie wäre es bei Harry nie so weit gekommen, polterten allen voran die britischen Boulevardblätter. Meghan wird außerdem vorgeworfen, stets das Rampenlicht zu suchen – und dennoch zu kritisieren, wenn es Interesse an ihrer Person und ihrem Leben gebe.
Die öffentliche Wahrnehmung von Meghan sei seit Jahren „ziemlich schlecht“, sagt die Psychologin und Autorin Martina Lackner. Nicht zuletzt spiele bei all dem auch Sexismus eine wesentliche Rolle: Selbstbewusste und erfolgreiche Frauen werden laut Lackner „härter angegangen als Männer, die sich genauso verhalten, einfach weil das nicht dem klassischen Bild einer Frau entspricht, die sich zurücknimmt“.
Bei Meghan gebe es zudem ein paar Besonderheiten: Sie war demnach nicht nur die erste nicht weiße Person in der engeren royalen Familie, sondern kam „als Amerikanerin, Schauspielerin und bereits geschieden in eine sehr traditionelle, geschlossene Institution“, so Lackner. „Sie war Außenseiterin und ist es bis heute geblieben.“
In den Jahren seit dem sogenannten Megxit hat sich die US-Amerikanerin allerdings nicht zurückgezogen, sondern vielfältige Wege eingeschlagen. Hier und da war gemunkelt worden, ob sie wieder zur Schauspielerei findet. Schließlich stand sie jahrelang für die Anwaltsserie „Suits“ vor der Kamera.
Stattdessen präsentierte sie sich etwa beim Streamingdienst Netflix in der Koch- und Backshow „With Love, Meghan“ als moderne Hausfrau – mit Tipps für ein schönes Leben. Statt Lob heimste Meghan jedoch auch damit Schmach ein: Die Zeitung „Times“ schrieb, die Show wirke aufgesetzt, selbstgefällig und klebrig. Dennoch durfte sie sich zuletzt über eine Emmy-Nominierung freuen.
Aus Sicht des Royal-Experten Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway richtet sich vieles, was Meghan dieser Tage macht, ohnehin „nicht unbedingt an ein britisches Publikum“.
An ihre Show angeknüpft tritt die 44-Jährige seit Jahren auch als Geschäftsfrau auf. Mit „As ever“ – von ihr nicht nur als Marke, sondern als „Sprache der Liebe“ beschrieben – vermarktet sie allerlei Luxusprodukte. Aktuell können sich Meghan-Fans etwa Schokopralinen für stolze 58 US-Dollar (umgerechnet etwa 50 Euro) oder mit Lavendelhonig für 32 Dollar (etwa 28 Euro) gönnen.
Immer wieder engagiert sich Meghan außerdem für die Rechte von Frauen und Mädchen, unterstützt mit Ehemann Harry gemeinnützige Anliegen oder warnt vor den Folgen von Social Media. Doch auch hier wird ihr ihre Anteilnahme oft nicht abgekauft, wie allein ein Blick in Soziale Medien verrät.PATRICIA BARTOS