Die vergessenen Nazi-Wracks

von Redaktion

Donau-Niedrigwasser legt in Serbien versenkte deutsche Kriegsschiffe frei

Das Wrack eines deutschen Kriegsschiffs, Aufnahme mit einer Drohne.

Nah am Ufer der Donau kann man an den Wracks vorbeifahren.

Ein Schaulustiger auf dem Wrack eines deutschen Kriegsschiffs, das vor dem Djerdap-II-Staudamm an der Donau zwischen Rumänien und Serbien freigelegt wurde. © Vojinovic/dpa (3)

Prahovo – Der extrem niedrige Wasserstand der Donau hat in Serbien mehrere Schiffswracks der deutschen Marine aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. Schaulustige kletterten in der Nähe des Flusshafens Prahovo auf den verwitterten Relikten der einstigen Nazi-Flotte herum, berichten serbische Medien. Auch in den vergangenen Jahren waren die Schiffswracks dort in besonders heißen Sommern immer wieder sichtbar geworden.

Die Häufung der Wracks in dem Donauabschnitt unmittelbar vor dem sogenannten Eisernen Tor – einem Durchbruchstal der Donau an der Grenze zwischen Serbien und Rumänien – erklärt sich mit den Geschehnissen am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Nazi-Marine hatte dort Teile ihrer Schwarzmeerflotte selbst versenkt. Verantwortlich dafür war der damalige Konteradmiral Paul-Willy Zieb (1892–1972). Der deutsche Flottenverband hatte sich auf dem Rückzug befunden und war von der sowjetischen Donaumilitärflottille verfolgt worden. Eigentlich wollte Zieb die Flotte bis nach Belgrad zurückführen, doch der Durchbruch gelang letztlich nur wenigen Schiffen. Der Rest saß am Eisernen Tor fest, weil die Rote Armee bereits bis zur Donau vorgerückt war und den Fluss zusammen mit den Rumänen auch vom Ufer aus kontrollierte. Am 6./7. September 1944 befahl Zieb die gezielte Versenkung. Gewaltige Detonationen erschütterten die Umgebung, erinnerte sich ein Zeitzeuge, den der „Spiegel“ 2003 interviewte. „Ich rannte die 150 Meter zum Donauufer. Die Deutschen versenkten ihre Flotte, darunter das riesige dreistöckige Krankenhausschiff für die Verletzten der Front.“ Über Tote bei der Versenkungsaktion ist aber nichts bekannt. Die rund 130 bis 150, nach anderen Angaben sogar bis zu 200, versenkten Wasserfahrzeuge mit mehr oder weniger klangvollen Namen wie „Braunkohle VIII“, „Salzach“ oder „Krieau“ sollten die Donau für die Verfolger unpassierbar machen. Nähere Informationen über Ziebs Entscheidung könnte sein Nachlass enthalten, der im Bundesarchiv Freiburg liegt, aber noch nicht ausgewertet wurde.

Die Wracks bei Prahovo bilden für die Donauschifffahrt bei niedrigen Wasserständen seitdem ein nicht unerhebliches und gefährliches Hindernis. Es soll die gefährlichste Strecke im gesamten Donauabschnitt sein. Dass bei Niedrigwasser einzelne Wracks ans Tageslicht kommen, kam schon öfter vor – doch diesmal ist es extrem. Schon mehrmals wurden einzelne Wracks geborgen. Einmal, in den 1970er-Jahren, soll es auch Tote gegeben haben, als Munition in den Schiffen explodierte. Die Europäische Union (EU) fördert ein Programm, um die besonders ungünstig platzierten alten Nazi-Schiffe nach und nach aus dem Wasser zu ziehen. Von 21 dazu ausersehenen Wracks seien bis April dieses Jahres sieben geborgen worden, berichtete die Website des staatlichen Fernsehens RTS.DPA/DW

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