Ein Tuk-Tuk fährt durch Bangkok. Die Motorrad-Dreiräder sind in Bangkok schon lange Kult. © Frentzen/dpa
Bangkok – Es ist ein Geräusch, das zu Bangkok gehört wie goldene Tempel, Garküchen und der Duft von Zitronengras: das knatternde „Tuk-tuk-tuk“ der dreirädrigen Motorrad-Rikschas. Kaum ein Tourist verlässt Thailands Hauptstadt, ohne wenigstens einmal in einem der offenen Gefährte durch das Verkehrschaos gerast zu sein – vorbei an Straßenständen und Wolkenkratzern, den tropisch-warmen Fahrtwind im Gesicht.
Doch der ikonische Sound könnte bald verstummen. Die thailändische Verkehrsbehörde hat einen Entwurf für eine neue Verordnung veröffentlicht – und lässt derzeit öffentlich darüber diskutieren, benzinbetriebene Tuk-Tuks wegen ihrer Lärm- und Luftverschmutzung aus Bangkoks Zentrum zu verbannen. Noch ist nichts beschlossen. Aber allein die Tatsache, dass die Regierung ein solches Verbot ernsthaft prüft, zeigt, wohin die Reise geht: Die Zukunft soll elektrisch sein. Und das ist sie in gewisser Weise auch schon.
Leise Elektro-Tuk-Tuks sind längst keine Seltenheit mehr. Mehrere Hersteller produzieren sie bereits für den thailändischen Markt. Zunehmend werden die modern ausgestatteten Dreiräder als Taxi oder Shuttle eingesetzt. Mittlerweile gibt es auch einen App-basierten Fahrdienst namens MuvMi, der ausschließlich E-Tuk-Tuks einsetzt. Sie verursachen weder Abgase noch das legendäre Motorengeräusch – und genau in Letzterem liegt für Thailand-Fans das Dilemma.
Sollten die qualmenden Knatterkisten wirklich ausrangiert werden, dürfte das für viele Bangkok-Fans ein kleiner Kulturschock sein. Denn Tuk-Tuks sind mehr als ein Verkehrsmittel: Sie gehören zu den meistfotografierten Motiven der Stadt.
Eine Deutsche berichtet von ihrem emotionalen Spagat zwischen Nostalgie und Klimaschutz. „Ich träume schon lange davon, meiner Nichte irgendwann Bangkok zu zeigen“, sagt die Berlinerin Annika, die regelmäßig nach Thailand reist. „Und ein kleiner Teil von mir ist traurig, dass sie das Knattern und den Trubel vielleicht nicht mehr erleben wird.“ Aber lieber wolle sie ihrer Nichte eine Stadt zeigen, in der sie atmen könne, als eine, die im Abgasnebel ersticke.
Gleichzeitig seien die wilden Tuk-Tuk-Fahrten schon irgendwie Kult: „Der Benzingeruch, das Geknatter, sich hinten auf der Bank kreischend festzuhalten – das gehört irgendwie zu Bangkok dazu“, erzählt sie und lächelt bei dem Gedanken.
Tatsächlich empfehlen Reiseführer eine Fahrt fast ebenso selbstverständlich wie den Besuch des Königspalastes oder des liegenden Buddhas im Wat Pho. Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Die Fahrpreise müssen ausgehandelt werden und liegen häufig sogar deutlich über denen klimatisierter Taxis – zumindest für Ausländer.
Für viele Einheimische wiederum sind die Dreiräder längst kein romantisches Symbol mehr, sondern vor allem laut und ein zusätzlicher Verursacher der notorisch schlechten Luft in der Megametropole. Vor allem während der Trockenzeit kämpft Bangkok regelmäßig mit gefährlich hohen Feinstaubwerten. Immer wieder müssen Schulen wegen extremer Luftverschmutzung schließen, und die Behörden rufen die Bevölkerung auf, möglichst im Haus zu bleiben.
In dieses Bild passen Tuk-Tuks mit ihren jahrzehntealten Benzinmotoren immer weniger. Nach Angaben der Verkehrsbehörde sind die meisten Gefährte zwischen 10 und 50 Jahre alt. Ende Juni waren in Bangkok mehr als 8500 Tuk-Tuks zugelassen. Dem stehen landesweit bislang erst gut 1000 elektrisch angetriebene Tuk-Tuks gegenüber. Die Dreirad-Taxis rauschen übrigens schon seit den 1960er-Jahren durch Bangkok, lange bevor Skytrains und Shoppingmalls das Stadtbild prägten. Damals ersetzten sie die Fahrradrikschas (Samlor).