Katzen wollen viele Snacks am Tag. © Imago
Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch. © IMAGO
Ein Kratzbaum ist ein Muss für Katzen. © Brose/imago-
Kennt sich mit Katzen aus: Nadine Pfuhl. Sie bietet Katzentraining und Verhaltensberatung an und weiß genau, was Katzen glücklich macht. © Privat
München – Sie sind die beliebtesten Haustiere der Deutschen: Rund 15,9 Millionen Katzen leben hierzulande, und zwar in etwa einem Viertel aller Haushalte. Zum Weltkatzentag verrät uns die Münchner Katzenverhaltensberaterin Nadine Pfuhl (www.katzenstimmen.de), worauf es den Samtpfoten wirklich ankommt.
Was kann ich tun, um meine Katze glücklich zu machen?
Das sind drei große Punkte aus meiner Sicht: Haltung, Beschäftigung und Gesundheit. Artgerechte Haltung heißt, dass ich meine Wohnung katzengerecht einrichte. Das bedeutet, dass sie auch genügend Klettermöglichkeiten hat und Spielmöglichkeiten und vielleicht einen Platz am Fenster, an dem sie rausschauen kann. Dann brauche ich große, offene Katzenklos in ausreichender Anzahl. Der nächste Punkt ist das Fütterungsmanagement: Katzen sind Häppchenfresser. Sie würden eigentlich viele kleine Beutetiere über den Tag verteilt jagen und fressen. Viele Leute füttern ja nur morgens oder abends, aber Katzen brauchen den ganzen Tag über kleine Mahlzeiten. Und ganz wichtig ist Beschäftigung!
Wie sieht die richtige Beschäftigung aus?
Mehrere kurze Beschäftigungseinheiten sind geeigneter als eine große. Ich kann zum Beispiel die klassischen Spiele mit der Spielangel spielen. Dann kann ich ein Clickertraining starten, das vielen Katzen sehr guttut. Ich kann Futterspiele machen, also, dass ich das Futter verstecke oder in Fummelbretter oder Intelligenzspielzeuge tue, dass sich die Katze das erarbeiten muss. Ich kann auch ganz einfache Sachen machen, dass ich zum Beispiel mal einen Stuhl woanders hinstelle, dass sich für die Katze neue Aufstiegsmöglichkeiten auf irgendwelche Möbel ergeben. Oder ich kann Höhlen bauen, die die Katze dann erkunden kann. Katzen lieben außerdem Routinen und feste Abläufe. Die geben Erwartungssicherheit im Alltag. Routinen sind allerdings nicht zu verwechseln mit Eintönigkeit.
Muss man mehrere Katzen halten oder kommt eine auch allein klar?
Das kommt auf die Katze an. Katzen sind fakultativ soziale Tiere, das heißt, sie können mit Artgenossen leben und können dann auch davon profitieren – müssen aber nicht. Wer wirklich Artgenossen benötigt, sind junge Katzen. Die sollten nicht ohne Artgenossen sein und auch nicht zu deutlich älteren Katzen vermittelt werden, weil sie denen mit ihrer Energie auf die Nerven gehen. Wenn eine ältere Katze ihr Leben lang alleine war oder schlechte Vorerfahrungen mit anderen Katzen gemacht hat, ist sie wahrscheinlich als Einzelkatze besser aufgehoben.
Muss eine Katze raus oder kann sie auch in der Wohnung glücklich sein?
Eine Katze kann definitiv auch in der Wohnung glücklich sein. Allerdings muss man dann für entsprechende Beschäftigung sorgen, über die wir ja schon gesprochen haben.
Wie wichtig ist der Kratzbaum?
Der Kratzbaum ist superwichtig. Katzen klettern ja gerne. Und eigentlich sind sie ja auch Beutetiere und lieben erhöhte Plätze. Und wenn sie dann nur auf dem Fußboden sein können, ist das für manche Katzen richtig beängstigend. Und: Wenn ich keinen geeigneten Kratzbaum habe, müssen halt leider oft auch die Möbel dran glauben. Das Kratzen gehört einfach zum normalen Verhaltensrepertoire der Katze, was man ihr auch nicht abgewöhnen kann.
Wie lerne ich zu verstehen, was meine Katze will?
Da muss man sich ein bisschen einfuchsen, wie bei allen Haustieren. Wenn man sich darauf einlässt, erkennt man auch Mimik, aber ganz generell gibt es ja genug andere, offensichtlichere körpersprachliche Zeichen. Der Schwanz ist ein recht eindeutiger Stimmungsindikator. Wenn der unruhig wird, heißt das, dass die Anspannung in der Katze wächst. Außerdem kann man den Körperschwerpunkt beobachten. Kommt die Katze mir entgegen oder geht der Körperschwerpunkt von mir weg? Wenn man sich auf die Körpersprache der Katze einlässt, kann man schon erkennen, ob die Katze gestreichelt werden möchte oder nicht. Wenn sie wegschaut, sollte man auch respektvoll sein und sie nicht streicheln. Sonst riskiert man unter Umständen auch, dass sie einen kratzt.
Und wie sieht es mit der Gesundheit aus?
Die Gesundheit ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich muss auf jeden Fall regelmäßig zum Tierarzt gehen und ich sollte mich auch mit dem Schmerzgesicht und dem Schmerzausdruck der Katze beschäftigen. Katzen können durchaus Schmerzen zeigen, verbergen es aber oft lange Zeit. Die Zeichen sind da oft sehr subtil, sodass man sich damit befassen sollte. Schmerzen führen übrigens auch zu verändertem Verhalten. Wenn man als Halter beobachtet, dass sich die Katze verändert hat, sich z. B. nicht mehr anfassen lässt, sollte man immer auch Schmerzen als Ursache dafür im Hinterkopf haben.