Im August bleiben viele Geschäfte zu. © Sator/dpa
Rom – Der Zeitungskiosk: zu. Die Café-Bar an der Ecke: dicht. Die Bude des Fischhändlers auf dem Markt: geschlossen. So wie in Rom sieht es von Bozen bis Palermo derzeit auch in den allermeisten anderen italienischen Städten aus. Wer kann, hat sich an den Strand oder in die Berge verabschiedet, zumal in diesem Jahr, das auch noch besonders heiß ist. An fast allen Geschäften hängt ein Zettel: „Chiuso per ferie“. Wegen Urlaubs geschlossen.
Der August ist für Italien nach wie vor der wichtigste Ferienmonat, mit dem absoluten Höhepunkt genau in der Mitte. Der 15. August ist in dem immer noch ziemlich katholischen Land mit seinen 59 Millionen Einwohnern sowohl kirchlicher als auch gesetzlicher Feiertag: Mariä Himmelfahrt. Oder auf Italienisch: Ferragosto. Dann gehen endgültig die Läden runter. Und das ist hier durchaus wörtlich zu nehmen.
Anders als in den deutschen Innenstädten mit ihren vielen Schaufenstern – manche vergittert, manche nicht – hat in Italien noch so gut wie jedes Geschäft die schweren metallenen Rollläden, die bis ganz nach unten auf den Bürgersteig reichen. Dort werden sie nach Ladenschluss dann noch einmal mit zwei oder drei Schlössern extra versperrt. Jetzt im August bleiben sie geschlossen rund um die Uhr. Die Straßen sind menschenleer, ganze Häuserfronten wie Festungen verrammelt.
Auf Italienisch heißt solch ein massives Teil aus Aluminium oder Stahl Serranda. Das kommt vom Lateinischen serare, verriegeln. Es gibt aber noch ein anderes Wort dafür: Saracinesca. Der Grund liegt in der hiesigen Geschichte: Im Mittelalter wurden die Küstenstädte oft von Sarazenern überfallen, Piraten von der Arabischen Halbinsel. Um die Stadt zu verbarrikadieren, nutzte man schwere Fallgitter aus Holz oder Eisen.
Die deutsche Redewendung „Da geht bei mir der Laden runter“ stammt übrigens aus der Zeit, als auch hierzulande viele Geschäfte noch Rollläden hatten – längst vorbei. In Italien hingegen gibt es nach Schätzungen noch zwischen vier und acht Millionen, viele schon älter und in schmutzigem Grau. Manchmal sieht das arg nach toter Straße aus, was die Städte vermeiden wollen. Deshalb ist man vielerorts dazu übergegangen, die Serrande (die Mehrzahl schreibt man mit e) zu besprayen oder zu bemalen.
Meist hat das Motiv etwas mit dem jeweiligen Gewerbe zu tun: Fischhändler zeigen auf ihren Jalousien bevorzugt Fische oder den Meeresgott Neptun. Von Autohändlern werden gern Oldtimer oder Szenen aus der Werkstatt verwendet. Bei Feinkostläden sind Obstkörbe beliebt, bei Restaurants ein gedeckter Tisch, bei Waschsalons natürlich Waschmaschinen. Manchmal malt der Besitzer selbst, meist sind es Auftragsarbeiten.