Lavitola war einst ein Verbündeter von Berlusconi.
Silvio Berlusconi ist von Lavitola erpresst worden. © dpa
Eine Bombe zerstörte dieses Auto. © Image
Rom – Am 16. Oktober 2025 explodierte eine Bombe vor dem Haus des italienischen Investigativ-Journalisten Sigfrido Ranucci in Pomezia bei Rom. Zwei Autos wurden zerfetzt, auch das Eingangstor schwer beschädigt. Ein Glück, dass niemand zu Schaden kam. Ranuccis Tochter hatte nur 20 Minuten zuvor das Haus verlassen. Auch wenn unklar war, wer die Urheber dieser Tat waren, schien es keine Zweifel zu geben: Ranucci, der landesweit bekannte Moderator der Sendung „Report“ im Staatssender Rai3 und sein Team hatten sich mit mutigen Recherchen den Zorn Unbekannter zugezogen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte.
Als Auftraggeber kamen die Mafia, Neofaschisten oder vielleicht sogar ein Mandant aus der Politik infrage. Schließlich waren Ranuccis Recherchen insbesondere für die italienische Regierung von Giorgia Meloni unangenehm. Nun steht fest: Das Attentat war inszeniert, und zwar von einer der dubiosesten Figuren der italienischen Politik, Valter Lavitola. Der schien zudem ein enger Freund des „Report“-Moderators gewesen zu sein.
Lavitola, früherer Chefredakteur der Zeitung „Avanti!“, gestand den Ermittlern jetzt, die Bombe in Auftrag gegeben zu haben. Er sitzt in Untersuchungshaft.
Lavitola ist für eine ganze Reihe von Untaten bekannt. Meist spielte dabei der 2023 verstorbene viermalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi eine tragende Rolle. So agierte Lavitola als Geldbote für Berlusconi, als dieser den Senator Sergio De Gregorio mit über drei Millionen Euro bestach. De Gregorio brachte 2008 die knappe parlamentarische Mehrheit von Premier Romano Prodi zum Kippen, Berlusconi wurde zum vierten Mal Regierungschef.
Lavitola half Berlusconi auch, die politische Karriere seines Außenministers und innerparteilichen Konkurrenten Gianfranco Fini mit zunächst unbelegten Geldwäsche-Vorwürfen zu beenden. Später richteten sich seine Aktionen gegen Berlusconi selbst, den er wegen seiner Prostitutions-Affären erpresste und dafür 2013 zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wurde. Und nun der inszenierte Anschlag.
Ermittlungsrichterin Iole Moricca hat eine spektakuläre Theorie: Das Attentat sei von Lavitola in Auftrag gegeben worden, um den Journalisten Ranucci in der Öffentlichkeit als Opfer zu inszenieren, dadurch seine Popularität zu steigern und ihm den Weg als Spitzenkandidat eines Mitte-Links-Bündnisses in die Politik aufzustoßen.
Der ambitionierte Journalist will von den Bomben-Plänen seines Freundes nichts gewusst haben. Ranuccis Karriere steckt nun in ihrer schwersten Krise. Unangenehme Recherchen von „Report“ hat die Regierung von Giorgia Meloni erst einmal nicht mehr zu befürchten.JULIUS MÜLLER-MEININGEN