Woher kommt die Wut am Steuer?

von Redaktion

Neue Studie des Gesamtverbands der Versicherer: Aggression im Straßenverkehr steigt

Aggressive Reaktionen im Straßenverkehr kommen häufiger vor. © Scholl/PantherMedia

Berlin – Drängeln, ausbremsen, schimpfen: Die Aggressivität im Straßenverkehr hat einer Langzeitstudie zufolge weiter zugenommen. „Nahezu alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten haben sich seit der letzten Studie 2023 nochmal weiter verschlechtert, einige sogar deutlich“, teilte Kirstin Zeidler, die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), mit.

Immer mehr Autofahrer räumten demnach eigenes Fehlverhalten ein. Der Anteil derjenigen, die mitunter drängeln, stieg von 36 Prozent bei der vorigen Erhebung 2023 auf 47 Prozent in diesem Jahr. Ein knappes Drittel schere nach dem Überholen schon mal so dicht ein, dass der andere bremsen müsse. 2023 war es noch ein knappes Viertel gewesen. „Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert“, stellte Zeidler fest (55 Prozent; 2023: 50 Prozent; 2016: 29 Prozent). Auch bei den Radfahrern deutet die Umfrage auf ein zunehmend aggressives Verkehrsverhalten hin. 43 Prozent von ihnen erzwingen demnach hin und wieder die Vorfahrt – nach 28 Prozent bei der Umfrage aus dem Jahr 2023.

„Es ist verantwortungslos, aus Wut oder um schneller ans Ziel zu kommen, die Gesundheit oder das Leben anderer aufs Spiel zu setzen“, erklärte die UDV-Leiterin. „Dabei sehen die meisten die Probleme bei anderen, nicht bei sich selbst.“ Das Leben werde immer hektischer, die Menschen seien quasi permanent erreichbar, der Druck nehme zu. „Das geht auch am Straßenverkehr nicht vorbei: Die Zündschnur wird kürzer.“ Die UDV spricht sich unter anderem für schärfere Kontrollen und Sanktionen für Fehlverhalten im Straßenverkehr aus. Polizeikontrollen erlebten viele Verkehrsteilnehmer de facto selten. „Aus UDV-Sicht sind Verkehrsplanende, Verkehrspsychologen und -psychologinnen gefordert, Konzepte gegen aggressives Verhalten im immer dichter werdenden Verkehr zu entwickeln“, hieß es weiter.CM/DPA

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