Mathematiker will Formel für Liebe gefunden haben

von Redaktion

Für immer? Das soll angeblich eine Formel zeigen. © Erich/dpa

Lyon – Gibt es eine Formel, welche die Liebe beschreibt? Der französische Mathematik-Professor Laurent Pujo-Menjouet meint, sie gefunden zu haben. In seinem neuen Buch, das bisher auf Französisch und jetzt auf Englisch vorliegt, versucht er, die Muster aufzudecken, die unsere Beziehungen prägen – und so vorauszusagen, ob eine Liebe hält oder nicht.

Tatsächlich ist das Buch voller Differenzialgleichungen. Das klingt erst einmal kompliziert, aber eigentlich versucht Pujo-Menjouet in „Love! Valour! Equations! Mathematics of the Couple“ das Gegenteil: Er lädt dazu ein, die Welt – und die Liebe – mit den vereinfachenden Augen eines mathematischen Modellierers zu betrachten.

Also, worauf genau kommt es an, damit die Beziehung hält? Pujo-Menjouet stellt – gestützt auf viele historische Grundlagen, literarische Beispiele und andere Forschung – eine gewaltige Gleichung auf, die für Paare überall auf der Welt gelten soll. Auf der linken Seite steht P(t), das Liebesgefühl eines Partners zum Zeitpunkt t – wobei, genau genommen steht da P'(t), die Veränderungsrate des Liebesgefühls.

Auf der anderen Seite steht E, für Erosion, für den unvermeidlichen Gewöhnungseffekt in Paarbeziehungen. Außerdem gibt es g(tk), damit werden zufällig auftretende positive oder negative Ereignisse zu einem gewissen Zeitpunkt erfasst, wie etwa: zum ersten Mal Eltern werden, eine Beförderung erhalten, zu Geld kommen, einen geliebten Menschen verlieren, arbeitslos werden, in finanzielle Schwierigkeiten geraten oder erfahren, dass der Partner untreu war. R(t) kommt ebenfalls vor.

Das ist laut Formel die Reaktion des Partners auf ein solches Ereignis – ein positiver Term, der nach einem negativen Ereignis aktiviert wird, zum Beispiel eine Entschuldigung oder eine Geste der Zuneigung. M taucht ebenfalls auf, das ist ein kritischer Schwellenwert: Liegt das Gefühl unter M, sinkt es unweigerlich auf null – es folgt die Trennung.

David Wilchfort, Facharzt für psychotherapeutische Medizin in München, kann dem mathematischen Modell von Pujo-Menjouet nicht besonders viel abgewinnen. „In meiner praktischen Erfahrung mit tausenden Paaren erlebe ich keinen konsequenten, berechenbaren Abbau von Gefühlen. In der Realität ändern sich Gefühle von Moment zu Moment“, erzählt er. In einer einzigen Sitzung könnten Gefühle von eisiger Distanz zu großer Nähe und wieder zu Kälte umschlagen. „Es geht beim Scheitern einer Beziehung fast nie um äußere Faktoren wie Geld oder Stress, sondern ganz grundlegend um die innere Haltung zum Partner“, ist er sich sicher. Eine Beziehung sei stabil, solange die Überzeugung herrsche: Uns beiden ist wichtig, dass es dem jeweils anderen gut geht. „Instabilität – und damit der Anfang vom Ende – beginnt in dem Moment, in dem sich diese Haltung verschiebt.“

Sein Kollege Wolfgang Krüger, Psychotherapeut in Berlin, kann dem Ansatz von Pujo-Menjouet hingegen schon etwas abgewinnen. Liebe sei viel berechenbarer und logischer, als die Menschen gemeinhin glaubten, meint Krüger. „Häufig funktionieren wir wie ein Getriebe beim Auto.“ Er selbst wende auch ein paar eigene Vorhersage-Parameter in seinen Therapien an. „Ich frage alle Paare, ob sie sich noch küssen und wie“, sagt er. „Küssen ist ein absolut zuverlässiger Indikator. Da kann man mit absoluter Genauigkeit sehen, was in einer Partnerschaft passiert und wie nah sich zwei Menschen sind.“

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