Riesenansturm auf das Dorf Soraga, wo ein gastronomisches Fest stattfand. © tito_hd_tiziano_/Instagram
Über eine Stunde warten die Menschen am Langkofel für einen Krapfen. © tito_hd/Instagram
Eine Blechlawine auf dem Bergpass Passo di Giau vor dem Monte Gusela. © giack_janac_ci/Instagram
Warten auf ein freies Plätzchen: Wanderer vor einer Hütte in den Dolomiten. © giack_janac_ci/Instagram
Val di Fassa/Toblach – Eine Stunde warten für einen Krapfen mit Sahne oder Nutella – und das auf rund 2000 Metern Höhe. In den Dolomiten hat sich der Touristenansturm in den vergangenen Wochen weiter verschärft. Zuletzt bildeten sich Menschenschlangen vor Essensständen und Berghütten und nicht mehr nur an klassischen Fotospots. Aufnahmen aus Sozialen Netzwerken zeigten abertausende Besucher zwischen Berggipfeln, Seilbahnen und Wanderwegen.
Besonders gefragt ist demnach jener mit Sahne gefüllte Krapfen, den eine Hütte am Langkofel auf 2300 Metern Höhe anbietet. Urlauber berichteten laut „Bild“, sie hätten rund eine Stunde für ihr Frühstück angestanden. Auch „Südtirol News“ griff den sogenannten „Bombolone“ der Friedrich-August-Hütte am Col Rodella auf: Der Krapfen sei über Instagram und TikTok zum eigentlichen Ausflugsziel geworden, ein virales Video habe mehrere Millionen Aufrufe erreicht. Eine Hüttenverantwortliche erklärte gegenüber Südtirol News allerdings, ein Teil der besonders langen Schlange sei auch auf einen zeitweiligen Ausfall der Internetverbindung und damit der Kartenzahlung zurückzuführen gewesen.
Auch abseits der Krapfen-Warteschlangen kam es am Wochenende zu chaotischen Szenen: Am Tag der jüngsten Sonnenfinsternis sei der Verkehr auf dem Passo di Giau komplett zusammengebrochen, ein Video zeige eine Autowalze bis ins Tal. Beim kulinarischen Fest „Golosando“ im 700-Einwohner-Ort Soraga hätten sich zudem unzählige Touristen durch den halben Ort gereiht. Eine langjährige Urlauberin sagte der „Bild“, es seien „noch nie so viele Menschen“ da gewesen.
Auch bei den Drei Zinnen spitzt sich die Lage zu, wie das Portal „Südtirol News“ berichtete. Eine Journalistin hatte Ende Juli eine hunderte Meter lange Schlange in Misurina gefilmt, wo Touristen auf Shuttlebusse zur Auronzohütte warteten. Nach Angaben des Toblacher Bürgermeisters Martin Rienzner kommen an Spitzentagen knapp 13.000 Menschen in das Gebiet. Er forderteeine gemeinsame Zugangsbeschränkung mit einer Obergrenze von rund 2000 Besuchern täglich – bislang scheitert dies daran, dass die Zufahrt über Toblach reguliert ist, in Misurina jedoch weiterhin spontan Tickets für die Busse erhältlich sind.
Dass die Region an ihre Grenzen stößt, ist laut Südtirol News keine neue Erkenntnis. Eine Untersuchung der Universität Ca’ Foscari Venedig und der Stiftung Dolomiten Unesco hatte bereits Besucherzahlen aus dem Jahr 2018 ausgewertet und an einzelnen Tagen mehr als 13.400 Menschen gezählt. Als Belastungsgrenze für einen Naturpark nannten die Forschenden maximal 2700 bis 3000 Besucher pro Tag; ab etwa 4000 Menschen sinke die wahrgenommene Aufenthaltsqualität deutlich. Empfohlen wurde damals bereits eine strengere Regulierung der Zufahrt.
Als Reaktion wurde für die mautpflichtige Straße zur Auronzohütte eine Online-Reservierungspflicht eingeführt, ein Parkticket kostet 40 Euro und gilt zwölf Stunden. Auch die Shuttlebusse ab Toblach sind reservierungspflichtig, in Misurina jedoch nicht. Das Busunternehmen Dolomiti Bus verstärkte laut „Südtirol News“ die Verbindung zwischen Misurina und der Auronzohütte mit einem zusätzlichen Fahrzeug; die Busse verkehren nun durchgehend zwischen 7.30 und 20 Uhr. Die Wartezeiten könnten dadurch sinken, die Gesamtzahl der Besucher werde dadurch jedoch nicht reduziert. Dafür muss noch eine Lösung gefunden werden.