Berlin ist nicht mehr sexy

von Redaktion

Umfrage: Die meisten möchten am liebsten in München wohnen

Klaus Wowereit

Stadt der Lebensfreude: Die meisten Deutschen sagen, München ist die Metropole, in der sie am liebsten leben würden. © imago stock/imago/Ralph Peters

Berlin auf dem absteigenden Ast: Nur noch 31 Prozentsehen Berlin als faszinierende Metropole. © Gaertner/imago

Berlin/München/Frankfurt – Arm, aber sexy“ – mit diesem Spruch machte der damalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit 2003 die Hauptstadt weltberühmt. Arm war Berlin tatsächlich: Die Wirtschaftsleistung pro Einwohner lag deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Und sexy? Das belegten sogar die Meinungsforscher. 2007 bezeichneten bei einer Allensbach-Umfrage 66 Prozent der Deutschen Berlin als „faszinierende Metropole“, von der Glanz ausgehe. Heute ist von diesem Zauber deutlich weniger übrig.

Nur noch 31 Prozent der Deutschen sehen Berlin als faszinierende Metropole. 36 Prozent sagen dagegen ausdrücklich, Berlin sei keine Hauptstadt mit besonderer Ausstrahlung. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hervor. Für die Untersuchung wurden vom 1. bis 13. August 1039 Menschen befragt.

Dabei hat sich Berlin wirtschaftlich durchaus gemausert. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt inzwischen ungefähr auf dem Niveau Baden-Württembergs und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Berlin ist also längst nicht mehr arm – doch offenbar ist die Stadt für viele Deutsche auch nicht mehr besonders sexy.

Besonders deutlich wird der Bedeutungsverlust im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten. Auf die Frage, welche Städte einen besonderen Reiz haben, landet Hamburg mit 48 Prozent ganz vorn, dicht gefolgt von München mit 47 Prozent. Berlin kommt mit 34 Prozent nur auf Platz drei. Dahinter folgt Dresden mit 30 Prozent.

Auch bei der Frage, wo man gerne leben würde, liegt München vorn: 24 Prozent der Befragten würden am liebsten in München wohnen. Hamburg folgt mit 23 Prozent. Berlin kommt lediglich auf 13 Prozent und liegt damit nur knapp vor Leipzig und Dresden mit jeweils zehn Prozent.

Noch härter fällt das Urteil bei der Frage aus, wo die Deutschen auf keinen Fall wohnen möchten. Berlin steht mit 46 Prozent an der Spitze – praktisch gleichauf mit Frankfurt am Main. Zum Vergleich: München kommt hier lediglich auf 18 Prozent, Hamburg sogar nur auf 13 Prozent. Berlin ist damit zugleich eine der bekanntesten und eine der am wenigsten beliebten deutschen Großstädte.

Die Urteile beruhen offenbar nicht nur auf Vorurteilen. 84 Prozent der Befragten waren bereits in Berlin oder leben dort, bei 61 Prozent liegt der letzte Besuch höchstens fünf Jahre zurück. Und gerade die Berliner selbst sehen ihre Stadt besonders kritisch.

Die größten Pluspunkte Berlins sind für die Deutschen die Vielfalt von Geschäften und Restaurants (60 Prozent), das Kulturleben (59 Prozent) und die Geschichte der Stadt (51 Prozent). Zwischen 40 und 50 Prozent schätzen außerdem die Seen, die zahlreichen Kulturdenkmäler und das pulsierende Großstadtleben. Die berühmte „Berliner Schnauze“ überzeugt dagegen nur 29 Prozent.

Bei den Problemen ist das Bild deutlich düsterer: 69 Prozent nennen die Kriminalität als eines der größten Probleme, 64 Prozent die Drogen im öffentlichen Raum. 59 Prozent stören sich an heruntergekommenen Vierteln, 55 Prozent an Graffiti und Schmierereien. Ebenfalls häufig genannt werden Armut und Obdachlosigkeit, Müll und der zunehmende Einfluss des Islam. Besonders bemerkenswert: Die Berliner und Menschen aus dem Umland urteilen noch negativer als die Deutschen insgesamt.

Ganz verschwunden ist die berühmte Berliner Anziehungskraft allerdings nicht. 35 Prozent der Befragten sagen, Berlin habe tatsächlich ein ganz besonderes Lebensgefühl und eine unverwechselbare Atmosphäre. 2001 waren es bei einer etwas anders formulierten Allensbach-Frage sogar nur 25 Prozent. Ein kleines Stück „sexy“ ist also offenbar geblieben.

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