Schiffe gefährden die Buckelwale. © Jansen/dpa
New York – Die Kreuzfahrtpassagiere sind begeistert: Vor der berühmten Skyline Manhattans taucht plötzlich ein Buckelwal aus dem Wasser auf. Der Anblick des riesigen Meeressäugers mitten in New York ist atemberaubend, doch längst keine Seltenheit mehr. Einst fast bis zur Ausrottung gejagt, gilt die Erholung der Buckelwalpopulation als eine der größten Erfolgsgeschichten im Naturschutz. Doch jetzt droht den Tieren eine neue Gefahr – Kollisionen mit Schiffen.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich vor der Küste von New York einmal so viele Wale sehen würde“, sagt der Meeresforscher Carl LoBue von der Naturschutzorganisation The Nature Conservancy. In seiner Kindheit auf Long Island seien Wahlbeobachtungen noch eine große Ausnahme gewesen. Inzwischen begegnen ihm die Tiere nahezu jedes Mal, wenn er auf dem Wasser unterwegs ist, freut sich LoBue. Meistens sind es Buckelwale, manchmal aber auch andere Arten, darunter der nach wie vor vom Aussterben bedrohte Atlantische Nordkaper.
Die neue Normalität sei „spektakulär“, sagt der Wissenschaftler. „Die Menschen fliegen in verschiedene Teile der Welt, um auf Safari zu gehen. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass sie hier vor der Haustür eine Meeres-Safari unternehmen können.“
Schwammen früher vereinzelt Buckelwale durch die Bucht von New York, waren sie auf dem Weg zwischen ihren Paarungs- und Aufzuchtgebieten in der warmen Karibik und den Nahrungsgründen weiter im Norden. Mittlerweile sind die Gewässer der Metropole nicht mehr nur ein Durchgangsgebiet, sondern Lebensraum vor allem für junge Wale. Das hat zum einen mit dem Artenschutz und der verbesserten Wasserqualität zu tun.
Ein weiterer Grund sind relativ neue Verordnungen, die die Verbreitung des Atlantischen Menhadens fördern. Diese fettreiche Heringsart findet vielfältige Verwendung in der Industrie, zum Beispiel bei der Herstellung von Omega-3-Nahrungsergänzungsmitteln. Zugleich ist dieser Fisch eine wichtige Nahrungsquelle für Wale, Delfine und Meeresvögel. Buckelwale, die so groß wie ein Bus werden können, verschlingen täglich bis zu 1500 Kilogramm Fisch.
Auch der Klimawandel spielt eine Rolle. Die Erwärmung der Gewässer wirke sich auf die Verbreitung der Beutefische aus, weshalb Wale ihre traditionellen Nahrungsreviere verließen, erklärt der Naturforscher Chris St. Lawrence, der für die Organisation Gotham Whale arbeitet und Walbeobachtungstouren leitet.
Als St. Lawrence 2012 bei Gotham Whale mit der Beobachtung begann, hatte die Organisation gerade einmal fünf Wale registriert. Heute seien es jährlich 80 bis 100 verschiedene Exemplare, gerade wurde der insgesamt 500. Wal in New York seit Beginn der Erfassung gesichtet.