Ebola hinterlässt traumatisierte Kinder

von Redaktion

Epidemie im Kongo: Waisen erleben soziale Ausgrenzung

Kinshasa – Gewalt, Flucht und Vertreibung prägen den Alltag von Kindern in der Demokratischen Republik Kongo schon lange – nun leiden sie auch immens unter dem Ebola-Ausbruch. Für sie ist eine Infektion besonders lebensbedrohlich – bei knapp zwei Dritteln der infizierten Kinder führt Ebola zum Tod. Am Wochenende traf im Kongo die erste Lieferung von 70.000 angekündigten Dosen Ebola-Impfstoff ein. Ob dieser gegen die dort grassierende Variante tatsächlich wirkt, ist jedoch noch unklar.

Nach Angaben der Kinderschutzorganisation Save the Children sind seit der Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs vor gut 100 Tagen mindestens 180 Kinder zu Vollwaisen geworden. Zu Trauer und Trauma kommt in vielen Fällen auch Stigmatisierung.

„Viele betroffene Kinder erfahren Ausgrenzung und Stigmatisierung, insbesondere dort, wo Ebola als reale Bedrohung wahrgenommen wird“, sagt Katharina von Schroeder, die im Kongo für Save the Children arbeitet. „Wenn Kinder nach dem Tod ihrer Eltern von Verwandten wie Tanten, Onkeln oder Großeltern aufgenommen werden, kommt es teilweise vor, dass sie von anderen Kindern getrennt werden oder nicht gemeinsam mit anderen zusammen essen dürfen.“ Das passiert selbst nach einer Isolationszeit.

Dabei erleben Kinder, die ihre Eltern durch Ebola verloren haben, ohnehin eine enorme emotionale und psychologische Belastung. „Sie verlieren die Menschen, die für ihre Versorgung, ihre Sicherheit und ihren Schutz verantwortlich waren“, verdeutlicht von Schroeder. „Auch wenn viele Angehörige Mitgefühl zeigen und versuchen zu helfen, berichten Familien gleichzeitig, dass ihnen häufig die Mittel fehlen, um die Kinder angemessen zu versorgen“, sagt sie. „Gleichzeitig erleben wir aber auch viel Solidarität innerhalb der Familien und Gemeinden.“

Hinzu kommt, dass Kinder, die engen Kontakt zu Infizierten hatten, während der 21-tägigen Inkubationszeit medizinisch beobachtet werden müssen, um eine mögliche Infektion auszuschließen. Diese Zeit ist für viele Kinder besonders belastend, da sie gleichzeitig mit dem Verlust ihrer Angehörigen und der Unsicherheit über ihre eigene Gesundheit umgehen müssen – eine enorm überfordernde Situation, sagt von Schroeder.

Artikel 7 von 8