Abschied vom Wikinger-König

von Redaktion

Trauer in Norwegen: Harald V. starb mit 89 Jahren – Nachfolger wird Haakon VIII.

Blumen liegen vor dem Königspalast: Die Norweger trauern um ihren König. © Ole Berg-Rusten/dpa

Der neue König Haakon VIII. mit Kronprinzessin Ingrid Alexandra, Premierminister Store (l.) und dem Kabinett. © EPA

Haralds Sarg wird in einem Trauerzug von der Klinik zum Königspalast gefahren. © Wäschenbach/dpa

Bürgernah und beliebt: Harald V. war 35 Jahre König von Norwegen. 1991 war er in Trondheim gekrönt worden (kleines Bild). © Babiradpicture/Bjørn Sigurdsøn/dpa

Oslo – In tiefer Trauer gedenken die Norwegerinnen und Norweger auf dem Schlossplatz ihres Königs. Viele haben Tränen in den Augen, als sie nach der Nachricht vom Tod Haralds V. Blumen niederlegen. Um 6.35 Uhr war der 89-Jährige im Reichskrankenhaus friedlich eingeschlafen. Den Thron erbt Haralds Sohn Haakon, der wie weitere Familienmitglieder am Krankenbett gewacht hatte.

Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie – einer Form der Blutarmut – war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu. Seit Donnerstagmorgen weilte der engere Kreis der Königsfamilie an Haralds Seite. Am Freitagmorgen wurde Haralds Frau, Königin Sonja, bei der Anfahrt fotografiert und wenig später verschickte der Hof die Todesmeldung.

Der Tod des Königs, der auch ein ausgezeichneter Segler war, hat große Anteilnahme ausgelöst. „Sowohl als Staatsoberhaupt als auch als erfolgreicher Sportler war er ein herausragender Vertreter seines Landes. Er gab ‚Alles für Norwegen‘“, erklärte Schwedens König Carl XVI. Gustaf in Anspielung auf Haralds Motto. Dänemarks König Frederik X. bezeichnete den Monarchen als „außergewöhnlichen Mann“, der „Pflicht und Verantwortung mit Präsenz und Mitgefühl verband“. Der britische König Charles III. trauerte um seinen „lieben Cousin“ und würdigte dessen „herausragende Persönlichkeit“.

Harald V. war keiner, der gern große Reden schwang. Sondern ein eher schüchterner Mensch, der es nicht mochte, wenn viel Getöse um ihn gemacht wurde. Trotzdem gelang es ihm immer wieder, die richtigen Worte zu finden. Ungeachtet mehrerer Skandale rund um die Königsfamilie – vor allem um das Kronprinzenpaar – war Haralds Beliebtheit bei seinen Landsleuten ungebrochen.

„Norweger sind Mädchen, die Mädchen lieben, und Jungen, die Jungen lieben. Norweger glauben an Gott, Allah, an alles und nichts.“ Als König Harald diese Worte anlässlich seines 25. Thronjubiläums 2016 an sein Volk richtete, ahnte er nicht, was er damit auslöste. Ein Echo der Begeisterung schallte ihm entgegen. Zeitungen in der ganzen Welt druckten seine ungewöhnliche Rede.

Harald war ein Mensch, der stets versuchte, alle einzubinden. Das liegt vielleicht an seiner eigenen Geschichte. Denn in den ersten Jahren seiner Kindheit war er selbst ein Flüchtling. Prinz Harald war drei Jahre alt, als die Nazis im April 1940 in Norwegen einmarschierten. Überhastet flüchtete seine Mutter, Kronprinzessin Märtha, mit den beiden Töchtern und dem Sohn Harald nach Schweden und später in die USA. Als König Olav am 17. Januar 1991 starb, wurde Harald vier Tage später als dessen Nachfolger gekrönt. Das Königspaar reiste stetig durchs Land und hielt engen Kontakt zum Volk. Harald war ein Monarch zum Anfassen, was einer der Gründe für seine große Beliebtheit war.

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