100 Menschen in Tunnel gefangen?

von Redaktion

Neue Regenfälle in Nepal erschweren Rettungsarbeiten – Weitere Sturzflut droht

In letzter Sekunde wird dieser Mann in Rasuwa/Nepal gerettet. © Nepal Army/EPA

In diesem Tunnel werden 100 Arbeiter vermutet, die nach dem Unglück noch leben könnten. © AFP

Kathmandu – Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal mit hunderten Todesopfern konzentrieren sich die Behörden derzeit auf die Suche nach den Vermissten. Doch die Regierung und die Verwaltung in dem Himalaya-Staat stehen vor zahlreichen weiteren Herausforderungen. Heftige nächtliche Regenfälle und steigende Wasserpegel haben zum Beispiel die Versuche der Rettungskräfte behindert, zahlreiche, vermutlich in einem Tunnel eingeschlossene Bauarbeiter zu befreien. Das Büro des nepalesischen Regierungschefs teilte gestern mit, die Teams seien „anhaltendem Regen und schwierigen Bedingungen“ ausgesetzt gewesen. Sie hätten dennoch die ganze Nacht ohne Unterbrechung gearbeitet, „um diejenigen zu suchen und zu retten, die möglicherweise eingeschlossen sind“.

Dabei setzten sie nach Angaben der Regierung auch hochentwickelte Suchkameras und spezielle Messgeräte ein. Seit der Sturzflut vom vergangenen Mittwoch werden 933 Arbeiter vermisst, die an Baustellen von Wasserkraftwerken eingesetzt waren. Die Regierung geht davon aus, dass mehr als hundert von ihnen noch leben und in einem der Tunnel eingeschlossen sind.

Die Suche konzentriert sich auf die Standorte Trishuli 3A und 3B. Am Standort Trishuli 3A war es Einsatzkräften des Militärs am Samstagabend gelungen, mit Bohrgeräten den oberen Teil eines schlammverschütteten Tunnels zu durchbrechen, Luft hineinzupumpen und eine Kamera einzusetzen.

Doch der nächtliche Regen und steigende Flusspegel behinderten die weitere Arbeit an dieser Stelle. Auch auf Tunnelrettungen spezialisierte Teams aus China und Indien sowie Nepals erfahrene Bergrettungsteams waren in der Katastrophenregion im Einsatz.

Der nepalesische Katastrophenschutz teilte gestern mit, mindestens 752 Menschen seien in Nepal ums Leben gekommen und 2502 würden vermisst. Zusammen mit den jüngsten Angaben der chinesischen Behörden zur Lage in Tibet stieg damit die Gesamtzahl der Toten auf 768 und die der Vermissten auf über 3000.

Auch die Rettungsarbeiten in Tibet sind gestern unterbrochen worden, weil sich infolge eines Erdrutsches ein neuer See gebildet hat. Überwachungsdrohnen hätten am Samstagabend den Erdrutsch an einem Berghang knapp drei Kilometer von dem entleerten Purepuqiang-Tsangpo-Stausee entfernt entdeckt, berichtete der staatliche chinesische Sender CCTV. „Der Erdrutsch hat einen neuen Staudamm geformt, und ein neuer Stausee baut sich auf“, hieß es in dem Bericht weiter. Rettungsteams in der Nähe des Gyirong-Grenzübergangs seien in sicherere Gebiete abgezogen worden. Drohnen überwachen die Lage.

Bei dem Unglück handelt es sich auch um eine politische Tragödie. Sie hat schonungslos offengelegt, wie intransparent die Autoritäten der Volksrepublik China selbst beim Umgang mit einer Sturzflut agieren. Ausländischen Journalisten ist es untersagt, auf eigene Faust in das Gebiet zu reisen.

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