Super-El-Niño im Anmarsch

von Redaktion

Über dem Pazifik baut sich der wahrscheinlich stärkste El Niño seit Aufzeichnungsbeginn auf. Seinen Höhepunkt erreicht das Phänomen zum Jahresende. © Büttner/dpa

Genf – Die Welt muss sich Experten zufolge für extreme Hitze, Dürren und Überschwemmungen in den kommenden Monaten wappnen. Es stehe bis zum Jahreswechsel ein außergewöhnlich starkes Wetterphänomen El Niño an, warnte die Weltwetterorganisation (WMO). Die Temperaturen im tropischen Teil des Pazifischen Ozeans, die das Weltwetter stark beeinflussen, seien jetzt schon außergewöhnlich hoch.

Seinen Höhepunkt werde El Niño Ende des Jahres erreichen, erklärte die WMO am Donnerstag und warnte vor den Konsequenzen. Das Klimaphänomen werde „erhebliche Auswirkungen auf Niederschlags- und Temperaturmuster“ haben und sich voraussichtlich bis in den Februar ziehen.

„Der El Niño nimmt vor unseren Augen Super-Ausmaße an“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. „Die Welt befindet sich in der Gefahrenzone extremer Wetterereignisse.“ Die WMO benutzt den Ausdruck „Super-El-Niño“, den einige Experten verwenden, selbst nicht.

Die Organisation berücksichtigt für ihre El-Niño-Vorhersagen Berechnungen mehrerer Wetterdienste aus aller Welt. Das Phänomen tritt alle zwei bis sieben Jahre natürlich auf. Es ist nicht durch den Klimawandel verursacht, dieser kann seine Folgen aber zusätzlich verschärfen.

El Niño beginnt mit der Erwärmung der Meeresoberflächen-Temperaturen im zentralöstlichen äquatorialen Pazifik. Sie liegen nach WMO-Angaben bereits zwischen 2,2 und 2,6 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Unter der Oberfläche sei das Wasser im Juli und August teils sogar mehr als acht Grad wärmer gewesen.

In der Region steigt dann warme, feuchte Luft auf, was die weltweiten Wind- und Luftströmungen verändert. In Australien, Indonesien und im südlichen Afrika kommt es dadurch oft zu Trockenheit und Dürren, während an der Westküste Südamerikas, in Ostafrika und den südlichen USA oft sehr viel Regen fällt. Europa ist eher wenig betroffen, könnte dieses Mal stärkeren Niederschlag erwarten.

Oft ist die globale Durchschnittstemperatur nach einem El-Niño-Jahr besonders hoch. So folgte das Jahr 2024, das bislang heißeste mit rund 1,6 Grad über dem Niveau vor der industriellen Revolution, auf einen El Niño.

Schon die bisherigen Monate des Jahres 2026 waren mehrheitlich überdurchschnittlich warm. Der Juli war in Westeuropa nach 2006 der zweitwärmste seit Beginn der Messungen, wie der EU-Klimawandeldienst Copernicus berichtet hatte. Er lag mit einer Durchschnittstemperatur von 22,48 Grad rund 2,5 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020.

Die WMO sagt für September bis November praktisch über allen Landflächen der Erde Temperaturen über dem langjährigen Durchschnitt voraus. Dass auch die Oberflächentemperaturen im nördlichen und südlichen tropischen Atlantik über dem Normalwert liegen, könne die Auswirkungen des El Niño in verschiedenen Regionen verändern, hieß es zudem.

Honduras, Panama und El Salvador riefen wegen des El Niño bereits vergangene Woche Dürre-Alarm aus. In Panama, wo wegen der Trockenheit eine Einschränkung des Schiffsverkehrs auf dem Panamakanal angekündigt wurde, sagte Innenministerin Dinoska Montalvo, die Behörden müssten auf alles vorbereitet sein, was im Zusammenhang mit El Niño noch „kommen könnte“.

Artikel 6 von 11